Dezember 2006

"Spundbohlen"

… werden dazu eingesetzt, um u.a. Baugruben abzudichten. Nicht gedacht sind sie, um damit Stirnwände "undicht" zu machen.
Aber genau dies wollen uns die folgenden Bilder zeigen. Sie zeigen uns weiterhin, dass Stirnwände nicht unklappbar 
sind.

Das Sattelkraftfahrzeug hatte in einem Stahlwerk ca. 24.000 kg Spundbohlen geladen.
Nach ca. 30 Kilometern fuhr der Fahrer dieses Fahrzeuges auf ein Stauende zu. Nach eigenen Angaben sah er das Stauende rechtzeitig und bremste den Zug lediglich um etwa 20 - 30 km/h ab.
Dabei geriet die gesamte Ladung ins Rutschen, stieß gegen die Stirnwand und klappte diese nach vorn gegen das Führerhaus.
"Die Ladung ist so schwer, die bewegt sich nicht"!?
Es gab keine Gefahr- oder Vollbremsung, nein, einfach nur ein normales  Abbremsen; und doch bewegte sich die Ladung.  Das Sattelkraftfahrzeug war kaum noch lenkbar. Die Fahrt ging nur noch bis zum nächsten Parkplatz. Dort musste die Ladung auf ein anderes Fahrzeug umgeladen werden. Der beschädigte Zug musste eingeschleppt werden.

Welche Fehler wurden hier bei der Beladung und bei der Sicherung gemacht?
Als erstes wurden die Spundbohlen einen Meter von der Stirnwand entfernt nach hinten geladen, aus Gewichtsgründen. Das ist erst mal nachzuvollziehen.
Rundum bestand nun aber kein Formschluss mehr.
Zur Seite waren jeweils zwei Buchtlashings angelegt.
Zusätzlich waren drei Niederzurrungen angebracht.
Nach vorn wurde ein angelegt (ohne Kantenschoner).

Rechnung:

Gleitreibbeiwert aus VDI 2700: Stahl/Holz 0,2 µ

Das bedeutet, dass im ungünstigsten Fall  durch die Reibung 20% des Ladungsgewichtes gesichert sind (= 4.800 ).
Durch die angelegten Buchtlashings sind je 4.000 (2 x 2.000 / Belastbarkeit der Zurrpunkte) zur Seite gesichert (= 8.000 ).
Durch die drei Niederzurrungen sind insgesamt lediglich 113 !!! gesichert.
Das nach vorn sichert 4.000 .
Erforderlich sind folgende Sicherungskräfte:
Nach vorn 80% (19.200 ) des Ladungsgewichtes, zur Seite und nach hinten je 50% (12.000 ) des Ladungsgewichtes.
Insgesamt ist durch diese Sicherungskräfte zur Seite eine ausreichende Sicherung vorhanden.
Nach vorn wirken nur wenig mehr als 8.900 .
Das bedeutet, dass in Fahrtrichtung noch über 10.000 an Sicherungskräften fehlten.
Nach hinten wirkt lediglich die Reibung und die Niederzurrung, also etwa 4900 .
Nach hinten fehlen demnach noch Sicherungskräfte von knapp 7.000 .

Das Verrutschen der Ladung war also keine Überraschung, sondern nur eine Frage der Zeit.

Wie kann man diese Ladung nach vorn und nach hinten ausreichend sichern?

Wäre der Freiraum zur Stirnwand z.B. mit Paletten ausgefüllt worden, hätte man die Stirnwand (hier: Standard) mit maximal5 000 daN dazurechnen können. Dann fehlten aber immer noch über 5000 daN an Sicherungskräften.
Diese könnten durch zwei weitere Kopflashings erreicht werden. Dabei muss aber beachtet werden, dass jedes Kopflashing eigene Zurrpunkte erhält!!
Da nach hinten ein zu großer Freiraum vorhanden ist, kann hier nicht mit Formschluss gerechnet werden.
Auch sind einfacherweise zwei Kopflashings einzusetzen und alles ist ordentlich gesichert.
Man muss aber unbedingt darauf achten, dass die Kopflashings nicht einfach an die Spundbohlen angelegt werden; die Gefahr des
Zerschneidens ist an den scharfen Kanten zu groß. Auch hier könnte man eine Palette direkt an die Spundbohlen stellen. Zum einen sind dann
Alle Spundbohlen erfasst und zum anderen ist der Gurt geschützt.

Beim Benutzen der Zurrpunkte unbedingt beachten, dass jeder Zurrpunkt je Wirkrichtung nur einmal belegt wird!

 


Königsberger Ladungssicherungskreis e.V.

Heisterbacher Straße 239
53639 Königswinter

 

 

 

Aktuelles

 

© KLSK e.V.