August 2018

Kirschenernte

Heute brechen wir eine Lanze für die Feuerwehrleute in unserer Republik. Was man als Feuerwehrmann, insbesondere für den Fall, dass man in der Nähe einer Autobahn zu Hause ist, alles erlebt ist schon bemerkenswert. Nach Unfällen löschen sie, schützen Leben und Umwelt, bergen Ladung und helfen auch bei schwierigsten Fällen, wenn z.B. Gefahrgut mit im Spiel ist. Sie müssen viel wissen, eine gute Ausbildung haben und stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Dafür von dieser Stelle einfach mal DANKE!

Abbildung 1 [Feuerwehr Geiselbullach]

Besehen wir uns die Abbildung 1 haben sich diese Feuerwehrleute die Kirschenernte wohl anders vorgestellt. Es ist sicherlich angenehmer in einer Wolke vom Duft frisch geernteter Kirschen havarierte Fässer zu "ernten", Entschuldigung zu bergen, als Verletzte aus brennenden Wracks zu retten, aber wenn man überlegt warum dieser Einsatz notwendig war, sträuben sich einem die Nackenhaare.

Abbildung 2 [Feuerwehr Geiselbullach]

Was hatte sich zugetragen? Die Autobahnmeisterei, hat Mäharbeiten durchgeführt. Diese Mäharbeiten wurden entsprechend angekündigt (Verkehrsfunk etc.) und mit den Fahrzeugen, die wir alle kennen (drei Vorwarner) abgesichert. Der Fahrer dieses Sattelkraftfahrzeuges muss wohl intensiv abgelenkt gewesen sein, denn er hat die Fahrzeuge nicht wahrgenommen und erst im allerletzten Moment eine Vollbremsung durchgeführt. Es kam nicht zu einer Fahrzeugkollision, aber die Ladung die aus Kunststofffässern gefüllt mit Kirschen bestand, musste auch abgebremst werden. Die Kunststofffässer verfügten über keine Bremsen, und es wurde kein RH Material verwandt und auch sonst wurde keinerlei Sicherungsmaterial eingesetzt. Daher wurden diese Fässer durch die Bremsung, relativ zur Ladefläche, beschleunigt.

Abbildung 3 [Polizei FFB]

Bei solchen Relativbeschleunigungen setzen sich diese Fässer auf der Ladefläche in Bewegung, und zwar in Fahrtrichtung. So praktisch diese Kunststofffässer zur Beladung sein mögen, denn sie sind leicht, stabil und nehmen 200 l Ladung auf, haben sie doch aus Sicht der Ladungssicherung zwei gravierende Mängel, sie sind flexibel und haben eine lausige Reibung. Die Flexibilität führt dazu, dass die Fässer erheblich verdichtet werden können, dadurch geben sie wieder Raum frei und die hinter ihnen gestauten Kollegen haben noch mehr Platz um noch weiter zu rutschen. Und weil das Rutschen gerade so viel Spaß macht, rutscht alles nach vorne und es gibt eine riesige Drängelei.

Abbildung 4 [Polizei FFB]

Die Folgen der oben genannten Drängelei sind Ladungspfropfen wie man sie auf der Abbildung 4 gut erkennen kann. Die ineinandergeschobenen flexiblen Fässer bauen einen Druck nach vorne und zur Seite auf, die eigentlich recht vorbildliche Anzahl von Aluminium- Einsteck-Brettern konnte gemeinsam mit der Plane diesem Druck nicht standhalten, beulten ihrerseits erheblich aus und entließen die Ladung auf die Fahrbahn. Wie auf der Abbildung 5 zu erkennen, musste sich der Verkehr sechs lange Stunden über den Standstreifen an dieser "Kirschenernteaktion" vorbeiquälen. Was für ein volkswirtschaftlicher Schaden.

Wir sind sehr froh darüber, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind, denn wie ein Wunder ist im richtigen Moment kein Fahrzeug auf der Überholspur unterwegs gewesen.

Abbildung 5 [Polizei FFB]

Die Folge war eine Kontamination der Autobahn mit über 20 Kunststofffässern aber 10 oder vielleicht sogar 100 tausende von Kirschen rollten auf der Autobahn lustlos hin und her und mussten in einer 6-stündigen Reinigungsaktion entfernt werden. Es ist nicht überliefert, ob die Kirschen noch im Besitz ihrer Steine waren. Wir nehmen das jetzt einfach mal an: Das Bremsen von Fahrzeugen auf der Fahrbahn hat ja auch immer was mit Reibung zu tun… Wenn diese aber mit abertausenden von Kirschen bedeckt ist, erinnert das doch sehr an die Erbsen bei den Heinzelmännchen. Nachfolgender Verkehr wäre nicht nur gegen die Fässer gefahren, sondern die Fahrzeuge hätten vollkommen unkoordiniert gebremst, oder eben auch nicht gebremst, wenn sie auf den Kirschkernen weitergerollt wären.

Abbildung 6 [Polizei FFB]

Nüchtern besehen handelt es sich bei den Fässern gefüllt mit Kirschen um " SoDaFässer", den sie standen einfach so da auf der Ladefläche, ohne irgendeine Sicherung. Im hinteren Bereich des Aufliegers sind Fässer zu erkennen die offensichtlich auf ihrer Position stehen geblieben sind. Auf den Fässern ruht plattenförmiges Material und wahrscheinlich sind sie in irgendeiner Weise niedergezurrt worden, das ist nicht eindeutig auf den Bildern auszumachen. Die anderen Fässer haben, wie schon berichtet, den Weg nach vorne bzw. nach draußen gefunden. Grund dafür ist die lausige Reibung der Kunststofffässer auf der Ladefläche und die nicht vorhandene Ladungssicherung.

Ladungssicherung:

Wie kann man derartige Ladung gut sichern?

Zwei Übel gilt es zu bekämpfen:

1. Die schlechte Reibung der Fässer und
2. deren Flexibilität.

Die schlechte Reibung lässt sich hervorragend mit einer ausreichenden Anzahl von RH Matten oder RH Streifen in den Griff bekommen. Hierbei ist wichtig, dass wirklich jedes Fass reibungstechnisch von der Ladefläche getrennt wird. Das kann durchaus aufwendig sein, es hilft aber nichts, diese Ladung muss gesichert werden. Da wir eindrucksvoll gesehen haben wie rutschfreudig und wie flexibel diese Fässer sind muss sichergestellt werden, dass die gute Reibung auch wirken kann, und das kann nur dann passieren, wenn die Fässer nicht wegkippen können, sondern am Kippen gehindert werden. Dies kann auf mehreren Wegen passieren:

  • Zum einen kann man die Oberfläche der Fässer z.B. mit Palletten abdecken und mit Niederzurrungen am Kippen hindern.

  • Zum anderen kann man diese flexible Ladung in mindestens 4 Felder unterteilen und somit deren Freiheitsdrang einschränken. Das Unterteilen kann an den Rungen passieren zum Beispiel durch Hochkant gestellte Paletten, die durch Vierkantbalken die quer

durch die Paletten gesteckt, stabilisiert werden. Durch Gurte können diese Unterteilungen noch zusätzlich unterstützt werden. Der Fantasie sind hier natürlich keinerlei Grenzen gesetzt.

Auch ein sauberer Soldatenstau (Fässer seitlich und hintereinander in Reih und Glied) mit übergelegten Kantenwinkeln und entsprechenden Niederzurrungen kann helfen. Dabei muss zumindest in der Mitte Abschnittsweise zusätzlich durch das Auflegen von z.B. mehreren Paletten übereinander, die mittleren Fässer niedergezurrt werden, sonst geht die Kipperei aus der Mitte los.

Die Ladungssicherungskolumnisten wünschen eine ladungssichere Fahrt durch den Sommer

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