Juni 2013

Die trojanische Kiste

Auf diesem LKW war eine Kiste mit einem Bruttogewicht von 19.950 kg geladen. Die Sicherung bestand aus Niederzurrungen. Es ist nicht genau überliefert, ob es 7 oder 9 Niederzurrungen waren und leider wissen wir auch nicht, ob RH-Matten unter der Holzkiste lagen.

 

Wohl aber wissen wir, dass die Ladungssicherung in der Kiste noch schlechter war als die außerhalb. In der Kiste lagen ca. 10 bis 12 mm dicke, gebogene Bleche mit ihrer konvexen Seite nach unten. Die Kiste selbst machte von außen einen recht guten Eindruck. Die Bleche waren aus Korrosionsschutzgründen in einer Dichtverpackung (mit Folie) verpackt und so gingen sie auf die Reise.

 

Sehr häufig schon haben wir in unserer Kolumne die Verpackung als einen maßgeblichen Teil einer guten Ladungssicherung ausgemacht. Eine gute Verpackung ist die Voraussetzung für einen verkehrs- und betriebssicheren Transport. In diesem Fall war weder das eine noch das andere der Fall. Wenn die äußere Ladungssicherung (dazu später) schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ausreichend war, in welchem Zustand war denn erst die innere Ladungssicherung.

Eine Grundvoraussetzung ist, dass die Ladung in ihrer Verpackung, so auch in diesem Fall die Stahlbleche in der Kiste, beanspruchungsgerecht verpackt werden müssen. Wenn die Beanspruchungen es beinhalten, dass mit dieser Kiste ein Straßentransport durchgeführt werden soll, dann müssen die Bleche auch den Beschleunigungen des Straßentransportes in der Kiste standhalten können.

Genau das konnten sie augenscheinlich nicht. Sie durchbrachen nicht nur ihre Korrosionsschutzfolie, sondern auch die Kistenstirnwand.

 

Glück gehabt: Die veritablen Bleche mit einer von 17,5 t hätten bei einer größeren Belastung die Kiste sicher weiter verlassen können und ggf. sogar den LKW. So ist nur Sachschaden entstanden.

 

Die Kiste wird zurück zum Hersteller transportiert, Schäden ggf. beseitigt, eine vernünftige Kiste gebaut und der Transport kann von vorne beginnen.

Apropos Ladungssicherung: Wir gönnen uns an dieser Stelle gerne ein kleines Rechenexempel. Dafür gehen wir davon aus, dass die Kiste tatsächlich 19.950 kg gewogen hat. Der Einfachheit halber werden 20 t angenommen.

Zur ersten Betrachtung legen wir kein RH-Material unter die Kiste. Das sägeraue Holz hat einen Reibbeiwert von maximal 0,4 μ. Nach vorne müssen wir mit 0,8 g sichern. Die Reibung dürfen wir davon abziehen. Bleiben noch weitere 0,4 x 20.000 kg übrig. Somit bedarf diese Kiste 8.000  Sicherungskraft. Wenn wir davon ausgehen, dass die Kiste mit Langhebelratschen gesichert wurde und wir weiter davon ausgehen, dass mit jeder Langhebelratsche eine Vorspannung von 750  erreicht wird, wir K- und Sicherheitswerte schlichtweg außer Acht lassen und annehmen, dass jede Niederzurrung 1.500  an Vorspannung aufbringt, bringen die angebrachten 10 Niederzurrungen mit Langhebelratschen ohne RH-Material 6.000  an Sicherungskraft auf.

Das zweite Rechenexempel unter Verwendung von RH-Material können wir uns sparen, denn mit zunehmender Reibung nehmen die Aufwände für die Ladungssicherung überproportional ab.

 

Das nur am Rande.

 

Allzeit sichere Fahrt wünschen Ihre Ladungssicherungskolumnisten!

Königsberger Ladungssicherungskreis e.V.

Heisterbacher Straße 239
53639 Königswinter

 

 

 

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