M

Masse

Die Masse (m) ist eine fundamentale physikalische Eigenschaft der Materie und ein quantitatives Maß für zwei zentrale Wirkungen: die Trägheit gegenüber Bewegungsänderungen (träge Masse) und die Gravitationswirkung (schwere Masse). Ihre Basiseinheit im Internationalen Einheitensystem (SI) ist das Kilogramm (kg) bzw. im Schwerlastverkehr die Tonne (t). Im allgemeinen Sprachgebrauch und im Transportrecht wird die Masse historisch häufig mit dem „Gewicht“ gleichgesetzt.
Für die Ladungssicherung ist die Masse die elementare Ausgangsgröße: Sie bestimmt direkt, welche dynamischen Trägheitskräfte bei Brems-, Ausweich- und Kurvenmanövern auf die Ladungssicherungsmittel einwirken.

Physikalische Grundlagen: Masse (m) vs. Gewichtskraft (FG)

In der Ladungssicherung nach VDI 2700 und DIN EN 12195-1 muss zwingend zwischen Masse und Gewichtskraft unterschieden werden:

  • Masse (m in kg oder t: Eine ortsunabhängige, unveränderliche Körpereigenschaft. Ein Bauteil mit 10.000 kg Masse besitzt diese Trägheit überall gleichermaßen.
  • Gewichtskraft (FG in N, daN oder kN): Die Kraft, mit der diese Masse durch das Schwerefeld der Erde nach unten auf die Ladefläche gezogen wird: FG = m × g
    (mit der Erdbeschleunigung g ≈ 9,81m/s²)

Praxis-Umrechnung für die Ladungssicherung:

Da 1 daN = 10 N entspricht und g ≈ 9,81m/s² ≈ 10 m/s² angenähert werden darf, gilt für überschlägige Kontrollen:

1 kg Masse erzeugt rund 1 daN Gewichtskraft (1 t ≈ 1.000 daN).

Relevanz für die Ladungssicherung & Fahrphysik

Die Masse wirkt bei der Ladungssicherung in zweifacher Hinsicht: als Ursache der angreifenden Trägheitskraft und als Quelle der stabilisierenden Reibungskraft.

1. Das Trägheitsprinzip (1. Newtonsches Gesetz)

Jeder Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig geradlinigen Bewegung, solange keine äußeren Kräfte auf ihn einwirken. Ändert der Lkw seine Geschwindigkeit oder Fahrtrichtung, will die Masse der Ladung ihre ursprüngliche Bewegung beibehalten:

FTrägheit = m × a

2. Die stabilisierende Wirkung (Reibungskraft Fµ)

Gleichzeitig erzeugt die Masse über ihre Gewichtskraft die Normalkraft auf dem Ladeboden. Die Reibungskraft Fµ, die dem Rutschen entgegenwirkt, hängt direkt von der Masse ab:

Fµ = µ × FG = µ × m × g

Da jedoch sowohl die angreifende Trägheitskraft als auch die Reibungskraft linear von der Masse abhängen, wächst die verbleibende Differenzkraft, die durch Gurte oder Blockierung aufgenommen werden muss, mit jeder zusätzlichen Tonne Masse proportional an.

3. Kippmoment bei hohen Massenschwerpunkten

Je größer die Masse und je höher ihr Schwerpunkt über der Ladefläche liegt, desto größer ist das bei Kurvenfahrten wirkende Kippmoment. Hohe Massen erfordern selbst bei ausreichendem Reibbeiwert zusätzliche Maßnahmen gegen das Kippen.

Rechtliche Pflichten & Verantwortlichkeiten

1. Straßenverkehrsrecht (§ 22 StVO & § 34 StVZO)

  • Verlader und Fahrer (§ 22 StVO): Müssen die Dimensionierung der Ladungssicherungsmittel exakt auf die tatsächliche Ladegutmasse abstimmen.
  • Fahrzeugführer und Halter (§ 34 StVZO): Sind für die Einhaltung des zulässigen Gesamtgewichts (zGM) sowie der zulässigen Achslasten gemäß Lastverteilungsplan verantwortlich.

2. Seeverkehrsrecht (SOLAS VGM)

Im Seeverkehr schreibt die SOLAS-Konvention die verbindliche Verifizierung der Bruttomasse (Verified Gross Mass, VGM) für Exportcontainer vor. Ein Verladen ohne Gewichtsangabe ist untersagt.

Typische Praxis-Fallstricke

  • Vergessen des Taragewichts: Bei der Massenangabe im Frachtbrief wird oft nur das Nettogewicht der Ware deklariert. Schwere Holzpaletten, Stahlkufen, Gitterboxen oder Transportgestelle wiegen teils mehrere hundert Kilogramm und führen unbemerkt zur Fehlberechnung der Sicherungskräfte.
  • Verwechslung von Masse und Kraft: Auf Ratschenetiketten steht z. B. STF = 350 daN oder LC = 2.500 daN. Wird irrtümlich angenommen, dass ein Zurrgurt mit LC = 2.500 daN eine Ladungsmasse von „2,5 t einfach so festhält“, führt dies beim Direktzurren unter ungünstigen Winkeln zum Reißen des Gurtes.
  • Ungleichmäßige Massenverteilung: Bei Maschinen oder verpackten Anlagen liegt der Massenschwerpunkt selten in der geometrischen Mitte. Wird das Gut mittig aufgestellt, werden Achsen überlastet oder Sicherungswinkel falsch dimensioniert.

KLSK®-Experten-Tipp

Masseangaben an der Rampe immer inklusive Tara hinterfragen: Verlasse dich bei der Dimensionierung von Zurrmitteln niemals auf geschätzte Katalogangaben. Kontrolliere den Frachtbrief darauf, ob das Bruttogewicht ausgewiesen ist. Bei unklarer Kennzeichnung von Schwergütern oder asymmetrischen Kisten verlange vor Ladebeginn die Ausweisung des Gesamtschwerpunkts sowie den Wiegeschein. Setze bei der Berechnung von Zurrmitteln überschlägig 1 t = 1.000 daN als Gewichtskraft an, um die auftretenden Haltekräfte fundiert gegen die Lashing Capacity deiner Zurrmittel abzugleichen.

Masseln (Metallbarren / Masseltransport)

Als Masseln (im internationalen Sprachgebrauch auch als Pigs, Sows oder kleine Ingots / Barren bezeichnet) werden gegossene Rohmetallblöcke aus Roheisen, Aluminium, Blei, Zink oder Legierungen bezeichnet, die in Hüttenwerken für die spätere Weiterverarbeitung (Umschmelzen) hergestellt werden. Im Transportwesen und in der Ladungssicherung stellen Masseln eine besondere Herausforderung dar: Aufgrund ihrer extrem hohen Dichte vereinen sie eine hohe Masse auf kleinstem Raum. Dies führt zu enormen Punktlasten auf dem Fahrzeugboden und erfordert eine präzise Einhaltung des fahrzeugspezifischen Lastverteilungsplans sowie tragfähige formschlüssige Sicherungskonzepte.

Transport- und Ladungssicherungs-Besonderheiten

Der Transport von Masseln unterscheidet sich grundlegend von voluminösem Stückgut:

  • Hohe Dichte & Punktlasten: Werden Masseln ungebündelt oder in kompakten Stapeln geladen, droht trotz Einhaltung des zulässigen Gesamtgewichts ein Durchbrechen des Ladebodens. Die Tragfähigkeit der Querträger des Fahrzeugrahmens (Streckenlast in kg/m oder Punktlast in kg) wird schnell überschritten.
  • Ungünstiger Gleit-Reibbeiwert (µ): Rohe Gussmasseln auf rauem Fahrzeugboden oder auf Holzpaletten weisen oft nur einen geringen Gleit-Reibbeiwert von µ = 0,2 bis 0,3 auf. Bei Feuchtigkeit, Schmutz oder öligen Trennmittelresten aus der Gießerei sinkt die Reibung weiter ab.
  • Flächenpressung bei Antirutschmatten: Herkömmliche Antirutschmatten aus Gummigranulat (nach VDI 2700 Blatt 14) sind für Standard-Palettenlasten ausgelegt. Unter den Kanten schwerer Masseln oder Kufen treten oft Flächenpressungen von mehreren hundert Tonnen pro Quadratmeter auf, die einfache Matten schlicht zerquetschen und ihre reibungserhöhende Wirkung zerstören.
  • Geringe Bauhöhe (Ungünstige Zurrwinkel): Flach auf dem Boden liegende Masselstapel bieten einen extrem flachen Vertikalwinkel (alpha deutlich unter 30 Grad). Ein Niederzurren ist physikalisch weitgehend wirkungslos, da nur wenig vertikale Anpresskräfte in den Boden eingeleitet werden können.

Typische Praxis-Fallstricke

  • Ladebodenbruch durch Punktbelastung: Mehrere Tonnen Zink- oder Bleimasseln werden mittig auf einer Palette abgesetzt; der Holzboden des Aufliegers bricht während der Fahrt zwischen zwei Querträgern ein.
  • Zerbröselte Antirutschmatten: Verwendung handelsüblicher 8-mm-Standard-Gummigranulatmatten, die unter der extremen Kantenpressung der Masseln pulverisiert werden. Bei einer Kontrolle gilt die Reibung als unzureichend (µ = 0,2).
  • Niederzurr-Attrappen: Es werden drei Zurrgurte über einen 40 cm flachen Masselstapel gespannt. Da der Zurrwinkel unter 15 Grad liegt, erzeugt die Ratsche fast keine vertikale Kraftkomponente; der Stapel wandert bei der ersten Kurvenfahrt.
  • Überladung der Antriebsachse: Platzierung schwerer Masselpakete zu weit vorn auf dem Sattelauflieger führt zur massiven Überschreitung der Antriebsachslast der Zugmaschine.

KLSK®-Experten-Tipp

Schwerlastmatten und Querträger-Abstützung kombinieren: Berechne beim Transport von Masseln vorab die Punktlastgrenze deines Aufliegers. Lege Hartholzdielen quer zur Fahrtrichtung über mindestens drei Querträger des Rahmens aus, um das Gewicht flächig einzuleiten. Verwende nach VDI 2700 Blatt 15 entsprechende Schwerlast-Antirutschmatten mit dokumentierter maximaler Flächenpressung.

Mischreibung / Gemischte Reibflächen (nach VDI 2700)

Von gemischten Reibflächen (häufig auch im Kontext von Mischreibung diskutiert) spricht man, wenn ein Ladegut beim Abstellen auf der Ladefläche gleichzeitig mit Untergründen unterschiedlicher Material- und Reibeigenschaften in Berührung kommt – wie etwa teils auf dem Holz-/Siebdruckboden und teils auf eingelassenen Stahlträgern oder Metallschienen. Nach den Vorgaben der VDI 2700 muss in solchen Fällen für die gesamte Sicherungsberechnung stets der niedrigste vorkommende Reibbeiwert (µ) angesetzt werden, sofern keine vollständige Entkopplung durch Zwischenlagen erfolgt.

Liegt eine Ladeeinheit auf zwei oder mehr verschiedenen Materialien auf, verteilt sich die Gewichtskraft (FG) der Ladung auf die unterschiedlichen Kontaktflächen:

  • Das Minimum-Prinzip: Da sich das Gesamtsystem bei einer Brems- oder Kurvenfahrt als eine Einheit bewegt, darf für die Berechnung der erforderlichen Sicherungskräfte (z. B. beim Niederzurren) kein Mittelwert gebildet werden. Rechnerisch gilt ausschließlich der kleinste Reibbeiwert.
  • Gefahr der Fehleinschätzung: Wird fälschlicherweise der höhere Reibwert des Holzbodens für die gesamte Fracht angenommen, ist die Ladung rechnerisch drastisch untergesichert. Bei einer Vollbremsung könnte die Fracht auf den stählernen Kontaktpunkten wegrutschen.

Technische Abhilfemaßnahmen

Um das Herabstufen des Reibbeiwerts auf den schlechtesten Wert zu vermeiden, müssen gezielte Maßnahmen zur Entkopplung ergriffen werden:

  • Durchgängige Verwendung von Anti-Rutsch-Matten (ARM): Die Unterlegung mit Antirutschmatten muss so erfolgen, dass das Ladegut den Stahlträger oder die Metalloberfläche gar nicht mehr direkt berührt. Erst wenn die Schnittstelle Ladung / ARM / Untergrund durchgehend getrennt ist, darf der hohe Reibbeiwert der Matten (i.d.R. u = 0,6) angesetzt werden.

KLSK®-Experten-Tipp

Keine Kompromisse beim Reibbeiwert: Siehst du beim Verladen, dass eine Ladeeinheit metallische Quer- oder Längsträger der Ladefläche berührt, rechne ohne Anti-Rutsch-Matten pauschal nur mit µ = 0,2. Möchtest du mit µ = 0,6 rechnen, lege die Anti-Rutsch-Matten so aus, dass sie die Metallträger und Holzbosen vollständig überdecken und ein direkter Kontakt zwischen Ladung und Ladeboden zu 100 % ausgeschlossen ist.

Mitführpflicht Aufbauzertifikat

Eine gesetzliche Mitführpflicht für Code L/Code XL Zertifikate im Fahrzeug gibt es in Deutschland nicht.

Österreich hat in seinem nationalen Recht eine Mitführpflicht für Code XL Zertifikate vorgeschrieben.

Hier sind die rechtlichen und praktischen Details dazu:

  • Gesetzliche Lage in Österreich (§ 101 KFG):
    • Das österreichische Kraftfahrgesetz (§ 101 Abs. 1 KFG) schreibt vor, dass die Ladung so zu sichern ist, dass sie den normalen Fahrbetrieb und Ausweichmanöver schadlos übersteht.
    • Wenn die Ladung formschlüssig an den Aufbau gelehnt oder gegen die Aufbauten gesichert wird, muss die Festigkeit des Aufbaus nachgewiesen werden können, sofern der Aufbau als Sicherungselement eingerechnet wird.
  • Bewertung des Gesetztestexts:
    • Das Wort „Zertifikat“ oder das Wort „Code XL“ steht namentlich gar nicht im Gesetzestext des § 101 KFG.
    • Die Mitführpflicht und Rechtspraxis leiten sich jedoch unmittelbar aus dem Wortlaut des § 101 Abs. 1 lit. e KFG in Verbindung mit den allgemeinen Kontrollpflichten (§ 102 KFG für den Lenker) ab:
      • 1. Gesetzlicher Wortlaut (§ 101 Abs. 1 lit. e KFG)
        „Eine ausreichende Ladungssicherung liegt auch vor, wenn die gesamte Ladefläche in jeder Lage mit Ladegütern vollständig ausgefüllt ist, sofern ausreichend feste Abgrenzungen des Laderaumes ein Herabfallen des Ladegutes oder Durchdringen der Laderaumbegrenzung verhindern.“


        2. Warum daraus die Mitführpflicht für das Zertifikat entsteht
        Beweislast im Kontrollfall: Beruft sich der Fahrzeugführer bei einer Verkehrskontrolle (z. B. durch Polizei oder ASFINAG) darauf, dass die Ladung allein durch den Aufbau (formsicher nach § 101 Abs. 1 lit. e) und ohne zusätzliche Zurrmittel gesichert ist, muss er nachweisen, dass der Aufbau als „ausreichend feste Abgrenzung“ gilt.
        Nachweis der Festigkeit: Die Exekutive kann von außen nicht erkennen, ob eine Plane oder Seitenwand für die nach DIN EN 12642 Code XL geforderten Kräfte (50% Stirnwand, 40% Seitenwand, 30% Rückwand) geprüft ist.
        Das Zertifikat als Gütezeugnis: Nur das Code XL Zertifikat (Prüfbescheinigung / Yellow Sheet) belegt rechtsgültig, dass der konkrete Aufbau diese Norm erfüllt und unter welchen Bedingungen (z. B. lückenlose Verladung, bestimmte Lattenanzahl) der Formschluss als Ladungssicherung rechtlich ausreicht.
        Fazit für die Praxis
        Fehlt das Zertifikat im Fahrzeug, kann das Kontrollorgan den Aufbau nicht als wirksames Sicherungselement anerkennen. Die Ladung gilt rechtlich als unvollständig gesichert, was zu einer Organstrafverfügung, Untersagung der Weiterfahrt (§ 102 Abs. 12 KFG) oder einer Anzeige nach § 101 Abs. 1 lit. e KFG führt.
  • Unterschied zwischen Code XL und Code L:
    • Code XL: Bei Code-XL-Aufbauten entfällt bei formschlüssiger Beladung oft der Einsatz zusätzlicher Zurrmittel. Da Exekutivorgane (Polizei/ASFINAG) bei Verkehrskontrollen ohne Dokument nicht überprüfen können, ob der Aufbau diese hohen Kräfte (60 % Stirnwand, 40 % Rückwand, 40 % Seitenwand) tatsächlich aufnehmen darf, verlangen die österreichischen Behörden das Code XL Zertifikat (Yellow Sheet / gelbes Blatt) zwingend im Original oder in geprüfter Kopie.
    • Code L: Ein Code L Aufbau erfüllt lediglich die Standardanforderungen (DIN EN 12642 Code L). Da dieser Aufbau bei schweren Gütern nicht für die alleinige formschlüssige Sicherung ohne Zusatzmittel ausreicht und die Grundfestigkeiten aus dem Typenschild des Fahrzeugs hervorgehen, besteht keine Mitführpflicht für ein separates Zertifikat.
  • Praxishinweis für Deutschland:
    • Wenn bei einem Code XL Fahrzeug der Aufbau zur Ladungssicherung mit herangezogen wird (z. B. Abstützung nach vorne an die Stirnwand), ist es dennoch sehr ratsam, das Herstellerzertifikat oder das Datenblatt des Aufbaus mitzuführen. So kann der Fahrzeugführer bei einer Kontrolle rasch belegen, welche Kräfte der Aufbau tatsächlich aufnehmen kann.