Foto des Monats – Januar 2024

Feste Gurte ganz lose!!

Eine Komplettladung von Wire Rod Coils mit einer Gesamtmasse von 24.000kg. Die Besonderheit bei dieser Verladung…alle Coils wurden in Rollrichtung geladen. Das ist an sich kein Beinbruch und auch keine Besonderheit, nur der Sicherungsaufwand erhöht sich drastisch. Man kann das aber sehr wohl mit Direktzurrungen in den Griff bekommen.

Gesagt getan, hier wurde mit Direktzurrungen gearbeitet und das in beide Richtungen (Vorne und Hinten).

Da wir keine Totale von dieser Verladung haben, nehmen wir an dieser Stelle einen Ausschnitt aus den Notizen des aufnehmenden Beamten mit in unsere Kolumne auf, der sie uns freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hat.

So war gesichert:

Drei Umspannungen in jede Richtung, das macht 12.000 daN an Sicherungskraft pro Richtung. Ein kleines Minus wäre sicherlich angebracht, wegen der Winkel, aber das ist eher zu vernachlässigen, da diese Winkel sehr günstig sind. Wenn wir eine Code XL-Stirnwand voraussetzen, dann könnte diese Sicherung ggf. zumindest in Längsrichtung passen.

Wir konzentrieren uns auf zwei gravierendere Problemstelllungen:

1.) Die Vorspannung

Die Vorspannung der Direktzurrungen war schlicht nicht vorhanden. Das ist auch bei Direktzurrungen ein „No Go“, denn die Bewegung der Ladung trifft auf lose Gurte, kann sich ein Stück weit bewegen und „sammelt“ in dieser Zeit kinetische Energie auf. Diese wird dann abrupt durch das Ladungssicherungsmittel gestoppt. Die Kräfte, die dabei umgesetzt werden, sind nicht kalkulierbar, da die Ladung quasi Anlauf nehmen konnte. Die Gurte müssen vorgespannt sein, damit eine Bewegung nur in ein vorgespanntes Ladungssicherungsmittel eingeleitet wird, ohne „Ruck“ und „Anlauf“. Je nach dem in welche Richtung die Beschleunigung erfolgt, entspannt sich die gegenüberliegende Seite und stellt damit ihre Vorspannung als Sicherung für die Gegenseite zur Verfügung.

2.) Die Anbringung der Gurte

Das eigentliche Problem dieser Verladung bzw. Sicherung sind die „Festen Gurte“. Als „Feste Gurte“ bezeichnen wir die Gurte, die z.B. mit Schraubverbindungen mit dem Fahrzeug fest verbunden sind. Das wird gerne bei Aufliegern gemacht, die vornehmlich im Kombinierten Verkehr unbegleitet unterwegs sind. Eine gute Sache, denn so kommen die Gurte nicht weg, ABER sie sind dann auch nur als Niederzurrungen einsetzbar und nicht als Direktzurrungen, wie in unserem Beispiel. Was mit den Gurten passiert, wenn sie quasi horizontal eingesetzt werden, zeigt die Abb. 3. recht eindrucksvoll. Die Gurte werden geschnürt und verlieren dadurch bis über 90% ihrer Haltekraft, da sie im Belastungsfall jetzt Kettfaden für Kettfaden reißen, denn der Gurt trägt nicht mehr auf seiner gesamten Breite, sondern nur noch auf dem äußersten Rand des Gurtes.

Der Vierkantbalten, der hinter der Ladung liegt, lag lose dort und wurde eigentlich nur aus Arbeitsschutzgründen während der Verladung benötigt, damit die Coils, bevor sie gesichert sind, nicht wegrollen. Siehe auch den kurzen Videoausschnitt.

Eigentlich ein tolles Fahrzeug, die Plane scheint mit Latten vertikal verstärkt zu sein, was bei Formschluss sicher einen hohen Ladungssicherungseffekt hat. Leider gab es bei dieser Verladung keinen Formschluss und auch keine seitliche Sicherung. Die Folie wird ggf. die sowieso schon relativ geringe Reibung noch reduzieren. Wir gehen zur Sicherheit von µ = 0,2 aus. Somit müsste noch eine seitlich Sicherungskraft von 7.200 daN pro Seite aufgebracht werden. Wer unsere Kolumne kennt, weiß, dass zu solch einer Sicherung von uns aus ausschließlich Umspannungen in Frage kommen. Dazu nehmen wir immer sechs Coils in einem Verbund zusammen, umspannen sie mit einer Direktzurrung und führen den Gurt auf dieselbe Seite des Fahrzeugs zurück. Diese Direktsicherung muss natürlich für beide Seiten erfolgen.

Die Ladungssicherungskolumnisten wünschen Ihnen ein ladungssicheres Jahr 2024

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