November 2018

Plötzlich Schwanger- oder was ist feste Ladung?

In unseren Bildern des Monats haben wir schon häufig auf den engen Zusammenhang zwischen Verpackung, Ladeeinheit und Ladungssicherung hingewiesen. Diesen Monat wollen wir dieses Problem ein wenig vertiefen.

 

 

Abbildung 1 [Karl-Heinz Pachoinig]

Schon der Titel weist auf ein Unfallgeschehen hin. Wird ein Trailer während der Fahrt plötzlich "schwanger", deutet das auf ein massives Ladungsproblem hin. Ladung ist entweder übergegangen, das kann bedeuten, dass sie verrutscht ist, oder einfach nur umgekippt oder eine Mischung aus beidem. Es kann sich aber auch eine Ladeeinheit, die eigentlich keine war, in Wohlgefallen aufgelöst und ihrem Inhalt freien Lauf gelassen haben. Das nächste Bild löst das Rätsel:

Abbildung 2 [Karl-Heinz Pachoinig]

Die Ladeeinheiten waren vorne mittig (und nicht paarweise) geladen worden, wahrscheinlich aus Gründen der Lastverteilung. Sie waren niedergezurrt, aber dafür noch nicht mal ansatzweise geeignet. Durch eine seitliche Beschleunigung haben sich die Ladeeinheiten in die Plane "gelegt". Durch diese extreme Verlagerung der Ladung hin zur rechten Fahrzeugseite, ging die Niederzurrung teilweise in eine seitliche "Direktzurrung" über, da der Gurt von der sich verschiebenden Ladungsgeometrie gelängt wurde. Dadurch entstand deutlich mehr Vorspannung und die Gurte schnitten noch tiefer in die Ladung ein. Dies war aber Zufall und kann nicht als Ladungssicherungsmaßnahme bezeichnet werden, sondern eher als Glück. Erst durch Mithilfe der Plane und der Einsteckbretter, die erheblich nach Außen verformt wurden, konnte durch den Aufbau und die Gurte der "Verlagerung" ausreichend Kraft entgegensetzt werden, um ein "Platzen" des Aufbaus zu verhindern.

Die Ladung bestand aus s.g. Holz-Pellets. Diese Pellets bestehen aus Sägemehl, das unter hohem Druck zusammengepresst wird. Das Ergebnis sind rollenförmige "Würmer" unterschiedlicher Länge, die recht fest sind. Sie sind so fest, dass sie sich in ihrer Verpackung (Foliensäcke) ihrer Form entsprechend verhalten, sie rollen. Da die Foliensäcke nicht gepresst voll waren, hatten die Pellets die Möglichkeit einer von außen auf sie einwirkenden Kraft auszuweichen. Was sie, was die Abb.2 sehr gut zeigt, auch getan haben. Die Gurte konnten sich zwei Sack tief in die Ladeeinheit einarbeiten. Damit war der Effekt der Niederzurrung für die Katz. Warum?

Ganz einfach! Eine Niederzurrung wird über die Ladung gelegt und von Hand vorgespannt. Diese (Vor)Spannung macht die Ladung künstlich schwerer, und erhöht dadurch die Reibung der Ladung auf der Ladefläche und im Innern der Ladeeinheit. Da die Ladung der Kraft des Gurtes ausweichen konnte, war es mit der Vorspannung Essig und damit kam auch keine Sicherung der Ladung zustande. Erst die unfallmäßige Verlagerung hat, wie oben beschrieben, einen zufälligen Direktzurrungseffekt erbracht.

Abbildung 3 [Karl-Heinz Pachoinig]

Offensichtlich war sich der Fahrer dieses Umstandes zumindest teilweise bewusst, denn er hat versucht den Druck des Gurtes durch eine Einstecklatte zu verteilen. Eine Maßnahme die nur in gewissen Grenzen Erfolg haben kann, wenn anstatt Einsteckbretter breite Winkel eingesetzt werden.

Abbildung 4 [Karl-Heinz Pachoinig]

Die Abb.4 zeigt das ganze Elend dieser Verladung. Die Ladeeinheiten (LE) sind so weich gepackt, da kann auch die beste Druckverteilung keinen Sicherungseffekt erreichen. Wie unschwer zu erkennen, fand auch hinten im Fahrzeug Bewegung in der ganzen Ladeeinheit statt. Die Ladung "rollt", und gibt in ihren Säcken nach. Die Säcke sind so locker gestapelt, dass sich die LE wie ein Klumpen Tonerde im Töpferkurs verformen lässt. So wird das nichts mit der Ladungssicherung.

Abbildung 5 [Karl-Heinz Pachoinig]

Wir haben lange hin und her überlegt und sind nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen. Eine Überlegung war, an den oberen Ecken der Ladeeinheiten breite Kantenschutzwinkel aufzulegen. Diese sollten dann wechselweise niedergezurrt und überkreuz direktgezurrt werden. Wir sahen hierbei aber die Gefahr, dass sich die LE durch ihre Verformbarkeit auch aus dieser Sicherung winden könnte. Eine zusätzliche Sicherung auf halber Höhe der LE würde diese Gefahr sicher bannen, aber um diese Direktsicherungen auch alle anbringen zu können, müssten die LE in Längsrichtung etwas auf Lücke geladen werden. Das wiederum würde wieder Probleme bei der Ladungssicherung in Längsrichtung generieren.

Wie ist eine derartige Ladung gut und sicher zu verladen? Am besten in festen Aufbauten, wie in einem Kofferfahrzeug oder in einem Container. Aber auch in diesen Fahrzeugen müssen Lücken ausgefüllt werden.

Was ist eine feste Ladung:

Das ist DIE schwierigste aller Fragen. Fast alles was in Säcken oder Big Bags (also auch Säcke) transportiert wird, ist im weitesten Sinne Schüttgut. Die Festigkeit der einzelnen Säcke hängt ein Stück weit von der Reibung der Ladung untereinander ab, aber vornehmlich vom Füllgrad der Säcke selbst. Werden diese wie z.B. Zementsäcke prall mit Ladung gefüllt, kann sich die Möglichkeit der Niederzurrung ergeben. Wichtig ist hierbei, auch die Reibung der Säcke untereinander zu bewerten. Manche Sackladungen werden mittels Klebstoffes palettiert, das erhöht die Reibung (Sack/Sack) erheblich und trägt zu einer guten LE bei. Bleibt zu schauen wie die Reibung zur Palette selbst aussieht. Ist diese Frage beantwortet, bleibt noch die Frage, ob die Säcke bündig auf der Palette geladen wurden, oder ob es bei der paarweisen Verladung ggf. durch einen Rücksprung auf der Palette zwingend zu einer Ladelücke zur benachbarten LE kommt. Sind diese Fragen beantwortet, geht es an die Druckverteilung und an die Frage nach der Stabilität der Säcke selbst. Eine großzügige Druckverteilung kann hier sehr gute Dienste leisten.

Die Frage, die wir uns hauptsächlich stellen, ist: Wie kann ein Verlader, der mindestens genauso viel Verantwortung für die Ladungssicherung trägt wie der Fahrer, überhaupt auf den Trichter kommen, solch "weiche" LE in den Verkehr zu bringen? Erschwerend kommt hinzu, dass der Verlader diesen LKW so beladen hat und sich offensichtlich einen feuchten Kehricht um seine Pflichten geschert hat.

Nochmal zum Mitschreiben für alle Verlader:

Jeder Verlader ist auch für die Ladungssicherung der Transporteinheiten, die in seinem Unternehmen beladen werden, verantwortlich. Sind die entsprechenden Personen, die im Unternehmen für die Verladung und Ladungssicherung zuständig sind nicht ausreichend unterwiesen, ausgebildet und mit den entsprechenden Befugnissen ausgestattet, alles zu unternehmen um eine unsichere Verladung zu vermeiden, liegt die Verantwortung sofort wieder bei der Geschäftsleitung. Das Zauberwort ist hier die qualifizierte Delegierung von Verantwortung. Den Geschäftsführern dieser Welt, die diese Verantwortung auf die leichte Schulter nehmen sei gesagt, dass sich im Falle eines Unfalles, der sich auf eine mangelhafte Ladungssicherung zurückführen lässt und ggf. mit Personenschaden endete, sich die Gerichte viel Zeit nehmen den Fall zu prüfen. Richtig ist, dass der Fahrer immer schuld ist, aber auch Richter haben einen gesunden Menschenverstand und werden sich fragen wie das verladende Unternehmen seiner Verantwortung gerecht geworden ist. Vermitteln die Recherchen und Vernehmungen dann ein Bild von Fahrlässigkeit, steht sehr schnell neben dem Fahrer der Herr oder die Frau Geschäftsführer(in). Man wird sich dann die Frage stellen wer hier ggf. mehr Einfluss auf die Verladung gehabt hat und wahrlich, liebe Geschäftsführer(innen), dann wollten wir nicht mit Ihnen tauschen.

Es sollte immer daran gedacht werden, dass der Verlader die wichtigste Person in der gesamten Kette ist. Macht er alles richtig, hat niemand mehr Probleme im weiteren Verlauf des Transportes.

Wir wünschen allen Menschen, die mit Ladung und Transport zu tun haben, allzeit einen verantwortungsvollen Umgang mit Ihrer Verantwortung.

Ihre Ladungssicherungskolumnisten.

© KLSK e.V.