Juli 2017

Alles gutgegangen!

Abbildung 1 [Bianca vom Dorp]

Mitunter ist es verblüffend, mit welcher Konsistenz, ja geradezu mit an Boshaftigkeit grenzender Gleichmütigkeit die Physik wirkt. Weiche Ladungen - egal ob es sich hier um Big-Bags, Oktabins, palettierte Sackladungen oder wie hier in diesem Fall folierte Siloballen handelt - in der Regel lassen sich weiche Ladungen nur schwer oder gar nicht durch Niederzurrungen sichern.

Abbildung 2 [Bianca vom Dorp]

Es hat ja der ein oder andere, der diese Bilder mit uns diskutiert hat, auch schon gemutmaßt, dass man hier in einem geraden Stapelzustand die Ladung gesichert hätte und durch ein relativ ruckartiges Anfahren - vielleicht sogar noch am Berg - eine Neigung der Ladung nach hinten provoziert hätte, um die Vorspannung der Gurte entsprechend zu steigern. Auf dererlei Diskussionen haben wir uns natürlich nicht eingelassen. Auch eine Bremsung nach vorne zu den gleichen Zwecken hätten wir ebenfalls als wenig zielführend angesehen, obwohl es nachgewiesen ist, dass Ladung, die niedergezurrt ist, sich natürlich immer bewegt, auch etwas bewegen darf und bei wenigen Millimetern vielleicht sogar Zentimetern Verrutsch- oder Neigeweg hierbei immer die Vorspannung erhöht. Das sind aber bitte Nebeneffekte, die in eine Berechnung und eine sichere Kalkulation der Ladungssicherung nicht eingehen dürfen.

Weiche Ladungen:

Das extrem Schwierige bei weichen Ladungen ist die Tatsache, dass sie der Kraft der Niederzurrungen ausweichen und dies tun sie in der Regel kontinuierlich, d. h. es wird niemals ein Kompressionszustand der Ladung erreicht in einer Art, dass durch die Niederzurrung bzw. durch deren Druck die Ladung mehr oder weniger stabil und statisch wird. Nein, sie arbeitet sich insbesondere während der Fahrt immer links und rechts am Gurt vorbei, weicht aus, die Vorspannung schwindet und der Sicherungseffekt geht verloren. Bei einer gleichförmig palettierten Ladung helfen große hohlprofilige Kantenwinkel, die die Ladung schonen, den Druck auf eine große Fläche verteilen und der Ladung somit keine Möglichkeit lassen, sich am Gurt vorbeizuarbeiten, da dieser gar keinen Kontakt zur Ladung hat, sondern seinen Druck gleichmäßig über die breiten Winkelprofile an die Ladung weitergibt. In diesem hier vorliegenden Fall, wie auch bei Big-Bags und dergleichen, sind Kantenprofile wenig aussichtsreich, da die Ladung nicht gleichförmig genug ist. Derartige Ladung sollte schlicht und ergreifend formschlüssig transportiert werden. Es wäre sinnvoll, die Siloballen derart zu dimensionieren, dass sie nebeneinander formschlüssig auf der Ladefläche platziert werden könnten. Dadurch ließe sich ein einigermaßener Ladungsverbund herstellen. Die gestapelten Siloballen in diesem Beispiel erinnern eher an schmelzende Schneemänner im Frühling anstatt an gewissenhaft gestapelte und gesicherte Ladung.

Abbildung 3 [Bianca vom Dorp]

Dass diese Abbildungen und dieser Ladefall in keinster Weise ein Fall zum Schmunzeln ist, zeigt unser Bild des Monats August 2016, bei dem eine Frau in einem entgegenkommenden Fahrzeug aufgrund von herabfallenden Strohballen zu Tode gekommen ist. Diese Siloballen sind schwer, schwer zu handhaben und noch schwerer zu sichern.

Abbildung 4 [Bianca vom Dorp]

Diese Abbildung zeigt, dass sich Ladung bei einer offensichtlich nach hinten gerichteten Beschleunigung auch seitwärts in Bewegung gesetzt hat. So instabil, wie sich die Stapel der Siloballen auf diesen Bildern präsentieren, bedarf es nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, dass bei der nächsten seitlichen Beschleunigung der erste Ballen sich den Weg durch die Plane und den freien Verkehrsraum bahnt und dort zur tödlichen Gefahr wird.

Ladungssicherung nach hinten:

Immer wieder sind sogar Sachverständige erstaunt, wie viel Beschleunigung Ladung auf einer Ladefläche nach hinten erfährt. Wir kennen von Anhängern, die z.B. Schnittholz transportierten, in konstanter Regelmäßigkeit Bilder, die zeigen, wie die Gurte alle synchron diagonal nach hinten versetzt wurden, was darauf hinweist, dass durch entsprechende "Anzugsschläge" über die Deichsel nach hinten gerichtete Beschleunigungen auf die Ladung wirken. Die Bilder der Siloballen zeigen, dass auch bei Trailern eine durchaus ernstzunehmende Beschleunigung nach hinten wirkt und gegen diese gefälligst auch zu sichern ist. Leider haben wir keine Bilder davon, ob die ersten Siloballen schon an die Hecktür drücken. Wir stellen uns dieses Bild aber durchaus imposant vor, wenn ein Siloballen beim Öffnen der Hecktür sich langsam über die Person beugt (und hoffentlich nicht herabfällt) die die Tür soeben noch geöffnet hat.

Ladungssicherung:

Wir hatten es schon gesagt; derartige Ladungen sollten tunlichst formschlüssig gesichert werden. Wir können uns eine Sicherung mit Ladungssicherungsplanen, -netzen oder durch Aufbauten, die in der Lage sind auch die zweite Lage der Ballen formschlüssig zu sichern, vorstellen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, diese Ballen mit einem entsprechenden Querschnitt zu wickeln, dass zwei liegend (Wickelachse längs) nebeneinander formschlüssig gesichert werden können und ein dritter in die Sattellage oben zwischen die Ballen. Dieser dritte Ballen könnte durch eine Niederzurrung gegen dynamisches Herausrollen gesichert werden. Nur ob die gleiche Menge an Siloballen geladen werden könnte, können wir nicht ermessen.

Ihre Ladungssicherungskolumnisten wünschen allzeit eine sichere Fahrt!

© KLSK e.V.