KLSK Kalender 2018

Jetzt den neuen KLSK Kalender 2018 bestellen!

Kalender bestellen

Bestellhinweise auf der Bestellseite

September 2017

Ladungssicherung lust- und gedankenlos – und deswegen gefährlich!

Abbildung 1 [André Brussel]

Auf einem Trailer wurden in 2 Abteilungen quadratische Knüppelstähle geladen, die jeweils in Pakete zu 6 einzelnen Knüppelstählen gebündelt waren. Die Bündelung selbst sieht recht veritabel aus. Soweit man das auf den Bildern erkennen kann, wurde jedes 6er Bündel mit 6 Stahlbändern umreift. Damit hört aber die Sorgfalt bei dieser Verladung schon auf. Manch eines dieser Pakete steht hochkant, ein anderes liegt. Obwohl die Pakete offensichtlich zumindest auf einer Seite eine glatte Ladungsfront aufweisen bzw. so gepackt werden können, dass sie eine glatte Ladungsfront aufweisen, zeigt diese Verladung im vorderen Bereich ebenfalls ein komplettes Durcheinander – glatte Stirnseiten, gestaffelte Stirnseiten, liegende und stehende Pakete. Zu allem Überfluss liegen diese Knüppelstahlbündel noch auf quadratischen Hölzern (was sonst) und sind nach guter alter Sitte 3 Mal niedergezurrt. Der Winkel, der hierbei entsteht, liegt bei ungefähr 30 Grad. Es gehört nicht sehr viel geometrische Feinsinnigkeit dazu, um zu erkennen, dass bei derartigen Winkeln gut 50 % der sowieso miserablen Sicherungswirkung in der „Geometrie verdampfen“. Selbst den erfahrenen Ladungssicherungskolumnisten fällt es schwer, angesichts einer derartigen Verladung die Contenance zu wahren.

Abbildung 2 [André Brussel]

Im hinteren Bereich liegen die Stahlknüppelbündel in einer Ebene und bilden wahrscheinlich eher zufällig fast so etwas Ähnliches wie eine einheitliche Ladungsfront. Bemerkenswert ist, dass offensichtlich eine Runge des Fahrzeugs mehr oder weniger lose auf der Ladefläche liegt. Ob das auf die Vergesslichkeit des Fahrers zu schieben ist oder ein Sinn hat, entzieht sich unserer Vorstellungskraft. Sicher ist, dass diese lose liegende Runge für die Übrigen Verkehrsteilnehmer eine besondere Gefahr darstellt.

Abbildung 3 [André Brussel]

Auf die Gefahr hin, dass unsere regelmäßigen Leser das Folgende nicht mehr hören bzw. lesen können, sind die Ausführungen nur für die Mitmenschen, die trotz aller Ermahnungen derartigen Unfug fortwährend praktizieren. Das Quadrat ist bei Licht betrachtet, eine der geometrischen Formen, die dem Kreis sehr ähnlich sind, nur noch Vielecke (Sechs und Achtecke etc.) kommen dem Kreis näher. Nimmt man sich ein Stück Vierkantholz, legt es auf den Boden und tritt es wie einen Ball, wird man erkennen, dass dieses Vierkantholz bereitwillig beginnt zu rollen. So auch die Ladung, die auf dem Holz liegt. Würde dieses Fahrzeug „welches vorbildlich durch Niederzurrung gesichert ist“ eine negative Beschleunigung durch eine Bremsung erfahren, würde die Ladung nicht nur nach vorne rutschen sondern richtiggehend auf ihren Vierkantbalken nach vorne rollen und die Niederzurrung, welche eine lausige Sicherungswirkung bieten, ein Stück weit mitnehmen. Wahrscheinlich würden diese prächtig über die Ladung rutschen und an den Stahlbändern gänzlich „abgeschnitten“ werden oder schlicht und ergreifend nach hinten runterrutschen. Sollte es jetzt jemanden geben, der behauptet, dass die Ladung, um auf diesen Vierkanthölzern rollen zu können, ein wenig angehoben werden müsste, bleibt zu konstatieren, dass diese Sicherungen, die hier vorgenommen wurden, die Ladung daran mit Sicherheit nicht hindern wird.

Beeindruckend zu sehen ist auch der Ordnungssinn des Menschen, der diese Sicherung ausgeführt hat. Fein säuberlich wurde das übrig gebliebene Gurtband aufgeschossen (seemännischer Ausdruck für sauber in gleichlange Paten im Kreis gelegt bzw. in die Hand gelegt) und diese „Wurst“, die dann aus dem Gurtmaterial entstanden ist, wurde geschickt unter den eigentlichen Gurt gelegt und mit „eingespannt“. Das sieht prima aus, da Ordnung auf der Ladefläche zu sein scheint, hat aber eine negative Wirkung auf die Vorspannung und somit auf die Sicherungswirkung dieser sowieso schon miserablen Sicherung.

Abbildung 4 [André Brussel]

Die Abbildung 4 zeigt, in welchem Durcheinander die Ladungsfront der vorderen Partie geladen wurde. Das die Verantwortlichen beim Verlader, die Stapler- oder Kranfahrer nicht bei den Ohren von ihrem Arbeitsplatz weggezogen haben, wundert einen, denn, der Verlader ist für die Ladungssicherung mit verantwortlich und nicht nur der Fahrer. Wer eine derartige Ladung so verladen und gesichert bei sich vom Gelände fahren lässt, handelt extrem verantwortungslos und macht sich an einem Unfall, der durch diese Ladung passiert, mit schuldig. Eine Bremsung in einer Kurve aufgrund einer Unachtsamkeit oder warum auch immer, kann schon zur Katastrophe führen. Bei Gericht haben dann die Sachverständigen und die Juristen genügend Zeit, sauber zu sondieren, wer zum entsprechenden Zeitpunkt im verladenen Werk für diese ladungssicherungstechnische Katastrophe verantwortlich war, diese Verantwortung zieht sich durch bis zur Geschäftsleitung, wenn sie nicht qualifiziert delegiert wurde. Davor möchten wir die Verantwortlichen und die Fahrer u.a. mit dieser Kolumne bewahren, aber dazu muss man sich seiner Verantwortung auch bewusst werden.

 

Welche Ladungssicherungswirkung hätte bestenfalls erreicht werden können?

Insgesamt wurden 6 Gurte verwandt mit offensichtlichen Langhebelratschen. Wir lassen die kunstvolle Aufbewahrung des losen Gurtbandes unter der Zurrung selbst außer Acht. Wir gehen davon aus, dass auf beiden Seiten 750 daN an Vorspannung wirken und somit pro Gurt 1.500 daN zur Verfügung stehen und wir lassen ebenfalls außer Acht, dass die Holzunterleger einen quadratischen Querschnitt haben und somit eigentlich gar keine Reibung liefern, sondern das Verrollen nach vorne eher noch unterstützen. Durch den Winkel von 30 Grad (geschätzt – es könnten auch ein paar Grad weniger sein) gehen 50 % der Vorspannung verloren und für das sägeraue Holz veranschlagen wir 0.4 µ, was unter den gegebenen Umständen mehr als großzügig, ja geradezu fahrlässig ist. Somit bekommen wir 9.000 daN Vorspannung, von denen gerade mal noch 1.800 daN sichernd wirken.

 

Benötigt werden aber bei einer angenommenen Gewichtskraft von 24.000 daN der Ladung 9.600 daN Sicherungskraft aber auch nur deswegen, weil wir wiederum außer Acht lassen, dass die Ladung eigentlich auf Rollen liegt und nicht auf bohlenformatigen Unterlegern. Somit fehlen immerhin 7.800 daN an Sicherungskraft, obwohl wir bei dieser Berechnung jegliche Vernunft schon außen vor gelassen haben. Die Sicherungskraft, die bestenfalls mit dieser Sicherungsart hätte erreicht werden können, war noch nicht mal ein 1/5 der notwendigen Sicherungskraft.

 

Wie kann man eine derartige Sicherung verbessern:

Zuerst werden bohlenformatige Unterleger verwandt. Braucht man tatsächlich die entsprechende Höhe, da sonst die Gabelstapler mit ihren Zinken nicht unter die Ladung kommen, werden 2 Vierkantbalken wirkungsvoll miteinander verbunden. dazu müssen mehrere Bolzen durch entsprechende Bohrungen eingeführt und fest verschraubt werden. Die jetzt entstandenen bohlenformatigen Unterleger werden von beiden Seiten mit RH-Material belegt. Die Ladung kann zur Verbesserung der Niederzurrwinkel gestapelt werden, selbstverständlich nur mit ausreichend RH-Material zwischen den Ladungsteilen (hierbei ist darauf zu achten, dass es sich um Schwerlastmasten handelt, da sich durch punktuelle Belastungen Überbeanspruchungen des Materials ergeben können). Wird das Material beim Empfänger ebenfalls durch Gabelstapler oder Krane mit Anschlagmaterialien und nicht mit einem Magneten gelöscht, sind auch in der 2. Lage selbstverständlich bohlenformatige Unterleger erforderlich.

 

Die Ladungsbündel müssen so gestaltet werden, dass sie zumindest auf einer Seite eine glatte Ladungsfront bilden. Diese glatte Ladungsfront muss so nach vorne geladen werden, dass mit allen Knüppelbündeln ebenfalls eine gerade und glatte Ladungsfront gebildet wird. Diese Ladungsfront kann jetzt unter Zuhilfenahme von gestapelten Vierkanthölzern, starken Holzplatten etc. durch Direktsicherungen gut gesichert werden. Zur seitlichen Sicherung kommen Umspannungen zum Einsatz, die zum einen eine direktsichernde und zum anderen eine niederzurrende Wirkung entfalten. Selbstverständlich liegt die Ladung in diesem Fall auch auf RH-Matten. Durch diese Sicherung wird auch die Sicherung nach hinten gewährleistet.

 

Merksatz des Monats: Physik macht auch vor Lustlosigkeit und Ignoranz keinen Halt.

 

Ihre Ladungssicherungskolumnisten wünschen allzeit eine sichere Fahrt!

© KLSK e.V.