März 2016

Kommunikationsprobleme!

In einem Zeitalter, in dem die Kommunikation allgegenwärtig ist, wird kontinuierlich telefoniert, werden SMS-Nachrichten verfasst und empfangen, wird sich über WhatsApp viertelstündlich auf dem Laufenden gehalten, und selbst in der Fahrzeugtechnik kommuniziert selbige elektronisch perfekt miteinander. Nur! Die Ladung wurde vergessen, insbesondere in diesem Fall hat der Ladung keiner gesagt, dass man gemeinsam gerade auf ein Stauende zufährt und eine Bremsung fällig wird.

Abbildung 1 [Raymond Lausberg]

In diesem Fall hatte der vorausschauende Fahrer rechtzeitig am Stauende gebremst und sein Fahrzeug, dank der guten Reibung seiner Reifen auf der Asphaltautobahn, mit ausreichendem Abstand vor dem Vordermann zum Stehen gebracht. Aber seine reibungstechnisch deutlich benachteiligte Ladung hatte er vergessen über den Bremsvorgang zu informieren. Diese fand sich vollkommen überrascht von der plötzlichen, negativen Beschleunigung der Ladefläche unter sich. Sie hatte nur ein paar recht lustlos angewandte Gurte, um sich fest zu halten, gab sich zwar alle Mühe dieses zu tun, doch schon rollten die Unterleger, auf dem die Eichenbohlen platziert waren.

Abbildung 2 [Raymond Lausberg]

Und die gesamte Ladung setzte sich in Bewegung.

Abbildung 3 [Raymond Lausberg]

Alle fragten sich aufgeregt wohin die Reise wohl gehen soll - denn bis jetzt ging ja alles problemlos von Statten - und schon rumste es ganz gewaltig. Kollektiv war man mit dem Kopf gegen die Stirnwand des Trailers geknallt.
Gott sei Dank waren auch die Kollegen alle aus guter europäischer Eiche, gesägt und mittels Bolzen miteinander horizontal verbunden, so dass ein ordentlicher Knall gegen die Stirnwand ihnen nichts anhaben konnte.

Abbildung 4 [Raymond Lausberg]

Wie aber spätestens auf der Abbildung 4 eindrucksvoll zu sehen, konnte die Stirnwand dem plötzlichen Andrang der auf der Reise befindlichen Holzbohlen nicht widerstehen.

In der Tat kann man diesen Unfall als einen Kommunikationsunfall bezeichnen, denn die Ladung kommuniziert mit der Ladefläche ausschließlich über die Reibung und ein paar Hilfestellungen, die in diesem Fall deutlich zu schwach, zu wenig, zu klein und zu falsch ausgefallen sind. Die Ladung selbst besteht aus Eichenholzbohlen, die mittels Bolzen horizontal miteinander verbunden sind. Somit sind es eigentlich eher Holzplatten, die aus einzelnen Bohlen bestehen, und die eine beträchtliche Dicke aufweisen.
Das vordere Paket scheint nur mit zwei Niederzurrungen gesichert zu sein, doch schaut man auf die Abbildung 5,

Abbildung 5 [Raymond Lausberg]

dann sieht man, dass ein dritter Gurt am Ende des ersten Paketes zu finden ist. Dieser war mit Sicherheit weiter vorne angebracht, aber die Ladung ist ein Stück nach vorne in Richtung Stirnwand weiter gereist.
Was sich weiter auf der Abbildung 5 ausnehmend gut erkennen lässt, ist, dass die Gurte ohne irgendwelchen Kantenschutz über die recht scharfkantig gesägten Eichenbohlen gezogen wurden. Dies hat offenbar aber nicht geschadet, denn die Ladung ist beträchtlich nach vorne gerutscht, und die Gurte haben dieses Verrutschen zumindest nicht mit ihrem Leben bezahlt.

Abbildung 6 [Raymond Lausberg]

Ein Grund dafür, dass die Gurte das Verrutschen der Ladung nicht mit ihrem Leben bezahlt haben, könnte sein, dass die Ladung auf Hochkant gestellten Hölzern stand. Hierzu ein dringend zu merkender Merksatz:

"Siehst du Füße schmal und hoch, die kippen um, das weiß man doooch!"

Im Vordergrund ist ein Gurt zu sehen, der ursprünglich über beide Ladungspakete gespannt war, ferner ist zu erahnen, wo das Unterlegholz, welches unten rechts zu sehen ist, vorher lag. Sehr gut zu sehen ist, dass beide Unterleghölzer hochkant lagen und zu allem Überfluss auch noch eine Borkenkante aufwiesen, welche das Verrollen und Verklappen eher noch begünstigen.
In dem Moment, wo diese hochkant gelegten Hölzer durch das Verrutschen der Ladung umklappen, verschwindet, die Vorspannung aus den Gurten gänzlich, die Ladung ist ungesichert und kann sich getrost auf die Reise in Richtung Stirnwand machen.

Abbildung 7 [Raymond Lausberg]

Eindrucksvoll ist zu sehen, mit welcher offensichtlichen Kraft die Stirnwand nach vorne aus ihren Verschraubungen oder Verschweißungen gedrückt wurde.

Abbildung 8 [Raymond Lausberg]

Dieses Bild zeigt den Trailer ohne das Zugfahrzeug, gegen den blauen Winterhimmel, eine recht beeindruckende Abbildung, die an sich Bände spricht.

Abbildung 9 [Raymond Lausberg]

Und hier noch mal eine Seitenansicht und die Frage, wie derartige Ladung richtig zu sichern ist.

Ladungssicherung

Wie schon erwähnt müssen die Gurte mit Kantenschützern vor den scharfen Kanten der Holzbohlen geschützt werden. Die Unterleger müssen bohlenförmig sein und entweder bringt man ausreichend Niederzurrungen an der Ladung an oder nutzt den Formschluss zur Stirnwand. Das kann in unterschiedlicher Art und Weise passieren:

  • Einmal kann die Ladung vorne angeladen werden,
  • sollte das aus Gründen der Lastverteilung nicht möglich sein kann die Ladung ein Stück zurück geladen werden und die obersten beiden oder obersten drei Lagen der Holzbohlen können so weit nach vorne geschoben werden oder geladen werden, dass sie sich an der Stirnwand abstützen. In diesem Fall haben die Niederzurrungen eine doppelte Wirkung, einmal die Reibung nach unten zur Ladefläche und nach oben zu den Bohlen, die sich formschlüssig an der Stirnwand abstützen
  • oder der verbleibende Hohlraum wird mit Paletten oder dergleichen formschlüssig ausgefüllt.
  • Geht all dies nicht, sind derartige verbolzte Bohlenplatten wunderbar mit Umspannungen zu sichern, die kreuzweise vor der Ladung geführt und beidseitig nach hinten auf unterschiedliche Ladungssicherungspunkte gesetzt werden müssen.

Die Ladungssicherungskolumnisten wünschen allzeit eine sichere Fahrt.

© KLSK e.V.