August 2016

Strohballen

Abbildung 1 [AKTIVNEWS]

Wir reden nicht drum herum: Dieses Bild lässt schon befürchten, dass dieser Ladungssicherungsunfall schwerwiegende Folgen gehabt hat. Leider ist es traurige Wahrheit, dass ein Mensch an den Folgen dieses Unfalls verstorben ist. Wir tun uns schwer, derartige Bilder zu beschreiben, denn hier hat nicht nur ein Mensch sein Leben verloren, sondern hier trägt ein Mensch, vielleicht sogar mehrere, die Verantwortung für diesen Tod. Dies ist auch der Grund, warum wir versuchen, äußerst sachlich die Bilder zu analysieren und keine vorschnellen Schlüsse ziehen.

Abbildung 2 [B.S. Polizei Schwarzach]

Die auf der Abbildung 2 zu sehende Kurve war der Unfallort. Vor dieser Kurve lagen eine Links- und wieder eine Rechtskurve, die möglicherweise zum Aufschaukeln der Ladung geführt haben.

Abbildung 3 [AKTIVNEWS]

Die Abbildung 3 zeigt das Fahrzeug, von dem die Strohballen gefallen sind. Eine spätere Skizze, die wir nur nach Hörensagen gefertigt haben, zeigt, dass die Verladeart im hinteren Bereich anders vorgenommen wurde als im vorderen Teil der Ladefläche.

Abbildung 4 [B.S. Polizei Schwarzach]

Auf der Abbildung 4 ist zu sehen, dass das Fahrzeug auf der rechten Seite mit Rungen ausgestattet war. Teilweise sind die Rungen horizontal, wahrscheinlich mit Metalllatten, verbunden. Diese Mischung aus Rungen und Mettallatten hat der Ladung seitlich zur rechten Fahrzeugseite hin einen formschlüssigen Halt gegeben.

Abbildung 5 [AKTIVNEWS]

Die Abbildung 5 zeigt lange durchgehende blaue Bänder, die offensichtlich kleinere Strohballen zu größeren sog. Multipacks zusammenfassen. Diese recht großen Multipacks bilden die Ladeeinheiten, die auf diesem Fahrzeug geladen waren. Die Multipacks haben eine Größe von 2,40 m x 1,20 m x 0,90 m und sind jeweils etwa 370 kg schwer.

Abbildung 6 [AKTIVNEWS]

Die Abbildung 6 zeigt die linke Seite des Fahrzeugs, von vorne aufgenommen. Deutlich zu sehen ist, dass ausschließlich im hinteren Bereich der Ladefläche Ladung verloren wurde. Von der Ladungssicherung sind nur noch Teile zu sehen. Informationen zu den tatsächlich vor dem Unfall angebrachten Ladungssicherungsmitteln stehen uns nicht zur Verfügung.

Im vorderen Bereich sehen wir zwei Niederzurrungen und eine horizontale "Sicherung". Wir nehmen an, dass dieser Gurt eine Art Gegenstück zur formschlüssigen Sicherung auf der rechten Fahrzeugseite bilden sollte. Zur Seite nützt dieser Gurt leider nichts, da er keinerlei Druck auf die Ladung ausübt und somit auch keinerlei seitliche Sicherungskraft gewährleistet.

Auf den Abbildungen 5 und 6 sind zwei Grundprobleme derartiger Ladung gut zu erkennen: Auf der Abbildung 5 sieht man die relativ unsauberen weichen Kanten und Ecken der Ladung, über die im Endeffekt die Gurte geführt wurden. Auf der Abbildung 6 sieht man im vorderen Bereich sehr deutlich, wie stark sich der Gurt in die Ladung eindrückt. Dies lässt erahnen, wie schwierig es ist, eine entsprechende Vorspannung auf diese Art von Ladung aufzubringen.

Unterstreichen möchten wir, dass wir nicht wissen und auch nicht beurteilen können, ob in diesem Fall der nötige Druck durch Vorspannung auf die Ladung aufgebracht werden konnte. Ein Lösungsvorschlag unsererseits, wie so häufig bei relativ weicher Ladung, sind große, möglichst lange und breite Kantenschutzwinkel aus hohlprofiliertem Kunststoff, die mehrere Ladeeinheiten zu einer Einheit zusammenfassen und den Druck der Gurte gleichmäßig auf die Ladung verteilen. Dadurch ist sichergestellt, dass sich ein einzelner Gurt nicht in die Ladung einarbeiten kann und die Vorspannung somit deutlich länger vorhält. Sicher muss auch eine derartige Sicherung nachgespannt werden (wie jede andere Ladung auch während des Transportes kontrolliert und ggf. nachgezurrt werden muss).

In der Skizze 1 haben wir versucht, das Fahrzeug so darzustellen, wie wir vermuten, wie es beladen gewesen sein könnte. So wie sich die Bündelung der Großpackenballen darstellt und auch die Form der einzelnen Pakete zu erkennen ist, müssen die ersten drei Ladungsreihen quer zum Fahrzeug geladen worden sein und im hinteren Bereich wurden wahrscheinlich zur besseren Auslastung des Fahrzeuges die Multiballen längs geladen und (vermutlich) zweifach übereinander gestapelt.

Durch jegliche Stapelung von Ladung erhöht sich deren Kippgefahr. Dies gilt für Papierrollen, Kisten, Gitterboxen und leider auch für Strohballen. Übereinander gestapelt und quer geladen sind sie in Längsrichtung und gegen die Fahrtrichtung kippgefährdet. Längs geladen und gestapelt sind sie in seitliche Richtung kippgefährdet. Diese Kippgefahr muss durch die Ladungssicherungsmaßnahmen abgefangen werden.

Die Kippgefahr in Längsrichtung der vorderen gestapelten Multipacks wurde zum einen durch die Stirnwand aufgefangen und zum anderen durch die im hinteren Bereich der Ladefläche längs geladenen Multipack-Strohballen. Das war aus unserer Sicht intelligent gemacht. Jetzt musste "nur" noch die Kippgefahr der hinteren Strohballen durch entsprechende Ladungssicherungsmaßnahmen "neutralisiert" werden. Da wir nicht wissen, wieviel Ladungssicherungsmaterialien hier tatsächlich vorhanden waren, möchten und können wir diesen Fall nicht beurteilen, sondern schauen ausschließlich auf das Ergebnis - und das war ein sehr unglücklicher Unfall, mit Todesfolge.

Wie würden wir derartige Ladung sichern?

Generelles:

Ein sehr häufig zu beobachtender Umstand ist, dass Ladung, deren Wert nicht besonders hoch ist, auch nicht besonders gut gesichert wird. Dieses Bild des Monats zeigt, dass es vollkommen einerlei ist, welchen Wert eine Ladung hat: Ihre Sicherung muss die gleiche Priorität haben, als ob gestapelte Goldbarren oder hochsensible elektronische Geräte geladen worden wären.

Die Sicherung:

Der Kippgefahr nach vorne wurde formschlüssig begegnet. Diese Art der Sicherung ist natürlich die beste, die man bekommen kann. Insofern würden wir gerne ein Rungenfahrzeug mit ausreichenden Rungen empfehlen, so wie es auf der rechten Fahrzeugseite (zumindest teilweise) zu sehen ist. Da dies immer nur bedingt zu haben ist, muss hier tatsächlich mit Niederzurrungen gearbeitet werden. Zur Druckverteilung haben wir schon breite Kantenwinkel aus hohlprofiliertem Kunststoff empfohlen. Am allerbesten würden uns diese Kantenwinkel in einer Länge der gesamten Ladefläche gefallen. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Ladung eine einheitliche Höhe hat. Derartige stabile und breite Kantenwinkel können den Druck auf die Ladung sehr gut und gleichmäßig verteilen. Zusätzlich kann im mittleren Bereich der Ladung durch ein Kreuz von Umspannungen aus Gurten eine gute Direktsicherung hergestellt werden (siehe Skizze 2).

Skizze 2 [KLSK e.V.]

Werden z. B. längliche Multipackballen übereinander gestapelt, kann deren seitliche Ladungssicherung und Kippgefahr sehr gut mit Umspannungen gebannt werden. Hierfür müssen vor Beladung vier Gurte (zwei von rechts nach links und zwei von links nach rechts) auf der Ladefläche ausgelegt werden. Nach Ende der Beladung werden die Gurte auf die jeweils andere Seite geworfen und dort vorgespannt. Diese Gurte erfüllen zwei Funktionen:

  1. Sie bieten durch die Vorspannung eine Art Niederzurrung und
  2. durch die Umspannung eine seitliche Sicherung durch eine Direktzurrung.

Sollte durch die Rungen und die Metalllatten auf der rechten Fahrzeugseite ein durchgehender Formschluss erreicht worden sein, reichen natürlich zwei Umspannungen, die die Ladung gegen die Bewegungsrichtung nach links sichern, sofern diese alle längsgeladenen Multipackballen erfassen.

Skizze 3 [KLSK e.V.]

Sollte die Ladung nach hinten eine gewisse Kippgefahr aufweisen, kann auch hier durch eine Mischung aus Nieder- und Direktzurrung eine Sicherung erreicht werden. Hierzu werden die Gurte am hinteren seitlichen Ende des Fahrzeugs befestigt, hinter der Ladung überkreuz geführt, über die Ladung kreuzweise nach vorne gelegt und an der Seite des Fahrzeugs befestigt (siehe Skizze 3).

Sollte eine derartige Sicherung nicht alle Ladungsteile erfassen, müssen weitere Sicherungen angebracht werden. Eine Möglichkeit besteht z. B. darin, dass über das hintere obere Ladungsende eine "Acht" aus einem Hebegurt (Rundschlinge / Schlupf) gelegt wird, die ihrerseits an den Seiten nach vorne verspannt wird. Eine Acht aus einem Hebegurt wird dadurch gebildet, dass sie in sich verschlungen (verdreht) wird und die sich bildenden Buchten (Ösen) über die zu sichernde Ladung gezogen wird (siehe Skizze 4):

Skizze 4 [KLSK e.V.]

Die Ladungssicherungskolumnisten wünschen allzeit eine sichere Fahrt!

© KLSK e.V.