September 2011

Würfelglück

 

Wer mit einer derartigen Ladung, nur niedergezurrt durchs bergische Land fährt, vertraut mit Sicherheit seinem Würfelglück. Zwar sind die Steinquader eben Quader und keine Würfel, sehr wohl aber können sie auf ihren untergelegten Hölzern rollen, wie Würfel auf einem Biertisch.

 

 

Abbildung 1 [Peter Scholz]

 

Nach den Angaben des Fahrers war das Fahrzeug "nur" mit 12 t beladen. Die Verteilung der Gewichte kann, vom Schreibtisch aus, nur gefühlsmäßig geschehen. Die ersten beiden bekommen drei Tonnen und der dritte, auf dem Dreiachsaggregat sechs Tonnen. Stellt man sich eine durchschnittlich geformte Lastverteilungskurve vor, und ermittelt vor dem geistigen Auge den Gesamtschwerpunkt dieser Ladung, ist die Lastverteilung nicht zu beanstanden.

Wenden wir uns der Sicherung dieser Ladung zu. Das Sicherungsprinzip, welches gewählt wurde ist das Niederzurren, pro Steinquader wurden jeweils zwei Niederzurrungen mit handelsüblichen Langhebelratschen angebracht. Je nach dem, ob man für sägerauhes Holz µ= 0,4 oder 0,3 veranschlagt, müssen zur Sicherung dieser Ladung entweder 6.000 oder 4.800 daN an Sicherungskraft aufgewandt werden. Inwieweit es aber überhaupt sinnvoll ist sich mit einer Rechnung dieser Ladungssicherung zu nähern soll bei den nächsten Bildern diskutiert werden.

 

 

Abbildung 2 [Peter Scholz]

 

Ein Blick von hinten auf das Fahrzeug zeigt, dass die Winkel in denen die Gurte über die Steinquader gelegt wurden durchaus akzeptabel sind. Geschätzt liegen die Winkel überwiegend bei größer 70° und sind somit von ihrer Wirkung deutlich oberhalb der 90% zu veranschlagen. Für die Beurteilung dieser Ladungssicherungsmaßnahme sind diese Winkel unerheblich und werden nicht weiter betrachtet.

 

 

Abbildung 3 [Peter Scholz]

 

Weiterhin ist positiv hervorzuheben, dass die Gurte vor den scharfkantigen Steinquadern nahezu vorbildlich geschützt wurden. Die Schutzschläuche sind in ausreichender Anzahl vorhanden und teilweise wurden mehrere zum Schutz der Gurte herangezogen. Was auf diesem Bild auch sehr gut zu erkennen ist, dass stabile Holzunterleger mit einem quadratischen Querschnitt verwandt wurden. Zum Teil weisen diese Unterleghölzer Baumkanten auf, das heißt, das die Ecken ein wenig abgerundet sind und Reste von Rinde aufweisen. Grundsätzlich gilt bei Unterlagen aus Holz, dass bohlenförmige Formate, also rechteckige Formate, Verwendung finden sollen, denn quadratische Querschnitte neigen zum verrollen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sich Baumkanten, also runde Ecken an diesen Balken befinden. Da die Ladungssicherungsmaterialien den Eindruck machen, als ob mit diesem Fahrzeug häufiger derartige Steinquader transportiert werden, wäre es überaus sinnvoll, wenn man zum Beispiel immer zwei dieser Vierkantbalken zu einem Rechteckunterleger zusammenschrauben würde. Wenn dann noch zusätzlich reibungserhöhende Mittel unter dem Holz und oberhalb eingesetzt würden, ist die Reibung dieser dann entstandenen "Sandwichelemente" überaus positiv zu bewerten.

 

 

Abbildung 3 [Peter Scholz]

 

Auf dieser Abbildung ist der vorderste Steinquader zu sehen. Der hintere Gurt weist, wie oben schon erwähnt, mehrere Schutzschläuche auf, welche bei derart scharfkantiger Ladung unbedingt nötig sind. Zur Stirnwand wurde bewusst Platz gelassen. Entweder traut der Fahrer seiner Stirnwand nicht, oder der Gabelstapelfahrer hatte nicht die Ruhe und die Zeit den Steinquader gerade zu positionieren.

Bei der angenommenen Masse von drei Tonnen, den schon besprochenen Niederzurrungen und den erforderlichen Materialien, die nötig sind um die Last gleichmäßig auf die Stirnwand zu verteilen, hätte die Stirnwand zur Längssicherung für diesen einen Quader in Anspruch genommen werden können. In der hier gezeigten Konstellation läuft die Stirnwand für den Fall einer Bremsung aber Gefahr abgetrennt zu werden, da die Niederzurrungen eine vollkommen unzureichende Sicherung bedeuten und die Ladung auf dem Vierkantunterlegeren nach vorne verrollen kann.

 

 

Abbildung 5 [Peter Scholz]

 

Der vordere Quader ist auf der, in Fahrtrichtung, rechten Fahrzeugseite inhomogen ausgebildet. D. h, dass dieser Quader nicht glatt auf den Holzunterlegern aufliegen kann und ohne weitere Unterstützung hin und her gekippelt wäre. Der Fahrer oder ggf. der Verlader haben dieser Inhomogenität der Ladung durch das Unterlegen von weiteren Hölzern und das Eintreiben von Holzkeilen abgeholfen.

Wenn man davon absieht, dass der untere Keil schon unter Auflösungserscheinungen leidet, ist eine derartige Maßnahme grundsätzlich zu begrüßen. Sobald aber das Fahrzeug eine Bremsung durchführen müsste, und der Quader sich leicht nach vorne bewegt, fallen die Keile unter dem Quader heraus, der Quader kippt auf die rechte Fahrzeugseite und die Vorspannung des vorderen Gurtes und damit seine Sicherungswirkung, geht vollkommen verloren.

 

 

 

Abbildung 6 [Peter Scholz]

 

Auf der Abbildung 6 ist die Distanz zwischen Stirnwand und Steinquader gut zu erkennen. Die vorderen Eckholme der Stirnwand würden ein Einschieben von Vierkantbalken durch ihre U-Profilform begünstigen. Insofern wäre das Vornehmen von Lastverteilungsmaßnahmen an der Stirnwand durchaus möglich gewesen. Richtig ist aber auch, dass die Positionierung derartiger Quader formschlüssig an die Stirnwand einen Gabelstapelfahrer mit Fingerspitzengefühl, Zeit und Wohlwollen erfordert.

 

Abbildung 7 [Peter Scholz]

 

Eigentlich müssen wir dieser Verladung in mehrfacher Hinsicht dankbar sein, denn derart viele erwähnenswerte Punkte haben wir selten bei einem Bild des Monats gefunden. Der Fahrer, oder wer auch immer diese Ladungssicherung vorgenommen hat, ist ein ordentlicher Mensch. Damit diese Eigenschaft auch jeder sehen und erkennen kann, hat er den Gurt einer Lakritzschnecke gleich zwischen Gurt und Fahrzeug geklemmt. Grundsätzlich ist Ordnung auch bei der Ladungssicherung sehr zu begrüßen. Doch in dieser Form bildet, der zusammengerollte Gurt ein weiches "Kissen", welches kontinuierlich nachgibt. Dies wird sich während der Fahrt negativ auf die Vorspannung auswirken.

Ebenfalls sehr schön zu sehen ist, dass der Fahrer an dieser Stelle den Rahmen der Ladefläche zum Einhaken des Gurtes und nicht die Lochleiste gewählt hat. Warum, das erschließt sich auch dem erfahrenen Ladungssicherungskolumnisten nicht. Bei dieser Verladung wurden die Verbindungselemente (Haken) teilweise in der Lochleiste eingehakt und teilweise im Rahmen der Ladefläche.

 

 

Abbildung 8 [Peter Scholz]

 

Auf dieser Abbildung ist gut zu erkennen, dass der Haken nahezu auf der Spitze belastet wird und nicht im Hakengrund. Durch diese Art der Belastung wird der Haken auf auf Biegen belastet und nur zweitrangig auf Zug, die einzige Bewegungsrichtung für die er eigentlich geschaffen ist.

Verbesserungsvorschlag:

Zu den veränderten Unterlegern habe ich schon oben einiges gesagt. Grundsätzlich gilt aber, dass Sandwichunterleger in einem rechteckigen Format solide mit einander verbolzt sein sollten. Die reibungserhöhenden Matten, die bei derartiger Ladung möglichst aus Schwerlastmatten bestehen sollten, sind ein sehr guter Anfang , da sie hervorragende Reibungs- und Belastungseigenschaften mitbringen. Bei Ladungen dieser Form drängt sich die Ladungssicherung durch Direktsicherungen quasi direkt auf. Jeweils zwei Umspannungen zu jeder Seite und eine stirnseitige Umspannung würden die Ladungssicherung hervorragend erfüllen. Eine grundsätzliche vielleicht aber auch kaufmännische Überlegung ist, anstatt der verwendeten Gurte Ketten einzusetzen. Die heutigen Ketten sind relativ leicht und damit gut zu händeln. Sie müssen nicht gegen die scharfen Kanten dieser Steinquader, wie die Gurte gesichert werden und erleichtern dadurch das Handling, die Positionierung der Schutzschläuche bei den Gurten kann eine rechte Sisyphus-Arbeit werden.

Auf der Abbildung 2 ist zu erkennen, dass das Fahrzeug tatsächlich mit Ladungssicherungspunkten ausgerüstet ist. Leider gilt bei Ladungssicherungspunkten, dass sie meistens an der falschen Stelle sitzen, insofern kann man nur empfehlen derartige Fahrzeuge mit möglichst vielen Ladungssicherungspunkten auszurüsten. Damit die Gurte immer an der richtigen Stelle angebracht werden können und sich nicht die Frage ergibt, ob der Haken richtig oder falsch angeschlagen wurde.

 

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