Juni 2008

"Ich bin ein Stahl, lasst mich hier raus"

Bild 1 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster

 

Der im Folgenden beschriebene Fall ereignete sich auf einer Auffahrt zur BAB 1.

 

 

Die Ladung bestand aus ca. 24.000 kg Edelstahlblechen, die der Fahrer „wie immer“ mit elf Zurrgurten niedergezurrt hatte. Die Bleche waren in Paketen zusammengefasst und in Querrichtung mit je drei Stahlbändern umreift. Die einzelnen Pakete waren, unter Berücksichtigung der Lastverteilung, in vier Stapeln geladen. Eine Umreifung in Längsrichtung war nicht vorhanden. Das Rechtsabbiegen erfolgte nach Aussage des Fahrers mit geringer Geschwindigkeit.

 

 

Bild 2 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster

 

Dann setzen sich die Bleche, streng nach den physikalischen Gesetzmäßigkeiten, in Bewegung. Die Information, dass die Reise jetzt mit einer Rechtskurve fortgesetzt werden sollte, hatte sich auf der Ladefläche noch nicht herumgesprochen. So kam es dazu, dass sich die Wege der Ladung und des Lkw trennten.

Die Ladung „fuhr“ weiter geradeaus und der Lkw bog rechts ab. Dem Fahrer fiel diese „Wegetrennung“ von Ladung und Fahrzeug durch eine Ausbeulung in der Plane auf, die er im Außenspiegel beobachten konnte.

Er tat was er tun musste und verzögerte sein Fahrzeug.

Das führte in der Rechtskurve dazu, dass sich sein Fahrzeug noch weiter nach links neigte und seine „Absattelstützen“ dadurch Kontakt zur Fahrbahn bekamen. Durch diesen Kontakt wurde das Fahrzeug noch weiter abgebremst, was den Effekt des Ladungsverschubes noch verstärkte.

 

 

 

 

Bild 3 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster

 

Die Stahlblechpakete hatten sich inzwischen von den Gurten mittels „Abschneiden“ befreit und zu einer neuen „Reisegruppe“ im vorderen Fahrzeugteil zusammengefunden. Sie waren zum Aussteigen bereit.

 

Bild 4 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster

 

 

Bild 5 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster

 

 

Bild 6 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster
Bild 7 (c) Schwerlastgruppe der Autobahnpolizei Münster

 

Resümee: Glück gehabt!

 

- Keine Toten

- Keine Verletzten

- Keine Ladung auf der Fahrbahn

- Nur ein beschädigter Auflieger (Code XL)

- Ein Bergekran war ein paar Stunden beschäftigt

- Und die Anschlussstelle war in der ganzen Zeit gesperrt.

 

Wie sichert man so eine Ladung richtig? Ganz einfach! Umspannungen in allen Freiheitsgraden und gut! So etwas muss man aber lernen dürfen, sonst wiederholen sich solche Vorfälle. Sicher nicht immer mit so viel Glück wie in diesem Fall.

 

Wer ist verantwortlich?

 

Hier greift das Dreigestirn der Verantwortung:

 

- Fahrer

- Halter

- Verlader.

 

Wenn das Fahrzeug, gehörig mit Gurten ausgestattet, in der Lage war die entsprechende Ladung aufzunehmen, und der Frachtführer sich davon überzeugt hatte, dass der Fahrer zu einer verkehrs- und betriebssicheren Ladungssicherung in der Lage war (z.B. durch eine Schulung), dann teilen sich der Verlader und der Fahrer die Verantwortung.

 

Fahrer machen am besten einen mindestens dreitägigen Ladungssicherungskurs und das Verladepersonal auch. Nur dann können sie beurteilen, ob das Fahrzeug ausreichend gesichert ist oder nicht.

 

Verlader tragen auch nach HGB und CMR Verantwortung für die Ladungssicherung. Beschrieben ist das unter:

 

http://www.tis-gdv.de/tis/ls/verantwortung/inhalt.htm

 

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