Februar 2006

Durchfall...

Abbildung 1 Quelle: Michael Grote

 

Bei dieser Art von Durchfall handelt es sich nicht um eine Darmerkrankung, sondern um eine drastische Fehleinschätzung physikalischer Zusammenhänge. Knüppelstähle mit einem Einzelgewicht von ca. 30 kg sind durch die Stirnwand eines 40'-Flat-Containers auf die Straße gefallen.

 

Dieser Vorfall ereignete sich im August 2005, weil der Lkw aufgrund eines Pkws, der vor ihm links abbiegen sollte, eine Vollbremsung machen musste. Es kam zu keinem Unfall zwischen Lkw und Pkw, nur die Ladung hatte sich selbständig gemacht. 

 

Die Ladung bestand durchweg aus Knüppelstählen, die mit Stahlband auf Paletten bebändert auf den Flat-Container verladen wurden. Die Sicherung bestand aus 5-6 Niederzurrungen, die sicherstellten, dass die Ladung nicht senkrecht nach oben wegfliegen konnte.

 

 

Abbildung 2 Quelle: Michael Grote

 

Wenn man bedenkt, dass diese Ladung nicht nur für die Straße, sondern auch für den Seeverkehr, der zur Seite 0,8 g an Sicherung verlangt, - also, genau so viel, wie die VDI-Richtlinien für die Straße nach vorne - wird das Unverständnis, das man diesem Sicherungsversuch entgegenbringt, noch größer.

 

 

Ein Analyseversuch:

 

 

Verladen wurden die Knüppelstähle auf Paletten gebändert ohne reibungserhöhende Materialien. Zwischen den einzelnen Ladeeinheiten bestanden Ladelücken, ebenso wie zu den Stirnwänden des Flat-Containers. Die Ladeeinheitenbildung war vollkommen unzureichend und in keiner Weise auf die Containerverladung abgestimmt.

 

 

Die Wahl der Sicherung durch Niederzurrung bei derartigen Ladungen war ebenfalls, gelinde gesagt, falsch. 

 

 

Unfallhergang:

 

 

Durch die Ladelücken zwischen den einzelnen Ladungsteilen, aber auch insbesondere durch die erhebliche Ladungslücke zu den Stirnwänden des Flat-Containers, konnte die Ladung verrutschen und relativ zum Container bzw. Fahrzeug kinetische Energie aufbauen. Diese kinetische Energie wurde an der Containerstirnwand in verformende Energie umgesetzt. Die Ladung durchschlug die Stirnwand und fiel auf die Straße. Ein glücklicher Zufall, dass diese Vollbremsung nicht mit einem Ausweichmanöver oder dergleichen gepaart war, sonst hätte eine großflächige Kontaminierung der Fahrbahn mit Ladungsteilen stattfinden können. Die Kontaminierung mit schweren Ladungssteilen hätte ihrerseits zu fatalen Folgen führen können. 

 

 

Verbesserung der Verladung bzw. Sicherung

 

 

Müssen derart kleine und schwere Ladungsteile befördert werden, ist das A und O eine gute und sichere Ladeeinheitenbildung. Eine gute Ladeeinheit ist dann gebildet, wenn die Einzelteile sich auf einer Palette oder einem Skid so behandeln lassen (in allen drei Freiheitsgraden), als ob es sich um ein einziges Ladungsteil handelt. Erst dann, und nur dann, ist eine wirtschaftliche Sicherung möglich. Für derart kleine Ladungsteile ist ein Flat-Container ein denkbar ungünstiger Container. Besser wären 2 x 20'-Container, die mit bündig beladenen Paletten formschlüssig beladen werden können. Auf den Paletten sind reibungserhöhende Matten sehr hilfreich. Verbleiben Ladelücken, sind diese alle komplett mit Holz zu verfüllen bzw. zu verpallen. Da die Tür des Containers keine Ladungssicherungskräfte aufnehmen kann, sind hier spezielle Sicherungsanforderungen (siehe Containerhandbuch: Abschlussarbeiten im Türbereich) vorzunehmen.

 

 

Für den Straßenverkehr wäre eine formschlüssige Verladung unter Verwendung von reibungserhöhenden Matten in einem 20'-Container schon als ausreichend zu bezeichnen (ausgenommen ist der Türbereich). Für den Seeverkehr muss die Ladung am Kippen bzw. am seitlichen Verrollen gehindert werden. Dies kann durch Pallungen erfolgen. Hierzu wird ein Vierkantbalken auf die Ladung gelegt und mit zwei Spezialpallungen, die in die oberen Längsträger des Containers greifen, abgesteift. Erst dann kann von einer sicheren Verladung für den Seeverkehr gesprochen werden.

 

 

Sollen diese Art von Knüppelstähle unbedingt auf einem Flat-Container transportiert werden, müssen diese ebenfalls zu sauberen Ladeeinheiten, die keine Ladelücken generieren, zusammengefasst werden, um sie dann mit Umspannungen zu sichern. Da Umspannungen grundsätzlich nur dafür geeignet sind, komplette Ladungsstücke zu sichern, muss gegen das Verrollen und Zusammenschieben der Ladung zusätzlich eine Niederzurrung angebracht werden. Unter diese Niederzurrungen sind Hölzer in Bohlenformat zu legen, damit sich die Knüppelstähle nicht gegenseitig überrollen. Eine Sicherung, die für den Seeverkehr unerlässlich ist.

 

 

© KLSK e.V.