Juni 2006

Vorne hui, hinten pfui!

Abbildung 1 Quelle: Achim Kock

 

Der Truck hat auf seinem Auflieger einen mobilen Behälter für entzündbare flüssige Stoffe, einen Hydraulikhammer und einen sogenannten Pulverisierer geladen.

 

 

Abbildung 2 Quelle: Achim Kock

 

Die durchgeführte Ladungssicherung (Reibungssicherung bzw. Niederzurrung) ist sowohl in Längs- als auch in Querrichtung nahezu wirkungslos. Die Betrachtung der nachfolgenden Abbildungen 3 bis 5 ergibt folgende Beanstandungen:

 

 

Abbildung 3 Quelle: Achim Kock

 

 

  • In Abbildung 3 ist gut zu erkennen, dass die Ladefläche stark mit Sand verunreinigt ist. Für die Materialpaarung Metall/Holzladefläche kann normalerweise eine Reibung von µ = 0,3 angenommen werden. Aufgrund der versandeten Ladefläche dürfte die Reibung nur noch µ = 0,15 betragen. Hinzu kommt, dass an dem Gefahrgutbehälter lediglich eine Niederzurrung angebracht ist; zwei sollten es mindestens sein. Die Sicherungswirkung des Gurtes wird nicht höher als 75 daN sein. Kann man nur hoffen, dass der Behälter mit oder ohne Inhalt nicht mehr als 115 kg wiegt.

 

 

Abbildung 4 Quelle: Achim Kock

Abbildung 4 zeigt den Hydraulikhammer auf Holzbrettern abgelegt und mit zwei Gurten niedergezurrt. Ein Zurrhaken ist am Chassis des Aufliegers befestigt, wobei nur die Hakenspitze am Chassis angreift. Der Haken wird so nicht mehr auf Zug, sondern auf Biegen beansprucht. Das nachstehende Rechenbeispiel zeigt, dass die Sicherungskraft der Niederzurrungen nicht ausreicht, um das Ladungsteil zu sichern.

  • Das Ladungsgewicht beträgt ca. 1 Tonne (wahrscheinlich sogar wesentlich mehr); daraus ergibt sich folgende Ladungsgewichtskraft:
    1.000 kg x 1 g [1 g = 9,81 m/s² bzw. 10 m/s²] = 10.000 N = 1.000 daN
  • Die Zurrgurte haben eine Lashing capacity (LC) von 2.500 daN. Das bedeutet, die Vorspannung bei Niederzurrung im geraden Zug (Normalratsche) beträgt 250 daN (0,1 x LC) je Zurrgurtende, d. h. im Idealfall 500 daN Vorspannung je Gurt.

    [Die einfache Verdopplung der Vorspannung ist der rechnerische Idealfall. In der Realität wird die Vorspannung von der Seite auf der das Spannelement wirkt aufgrund der Reibung, die zwischen Gurt und Ladung entsteht, nur teilweise auf die gegenüberliegende Seite übertragen. Sogenannte Gleitecken können diese Reibung reduzieren.]
  • Die Reibung der Materialpaarung Holz auf versandeter Ladefläche wird sehr großzügig mit µ = 0,2 angenommen.
  • In Längsrichtung ist folgende Sicherungskraft erforderlich:
    80% der Ladungsgewichtskraft --> 1.000 daN x 0,8 g = 800 daN
  • In Querrichtung ist folgende Sicherungskraft erforderlich: 
    70% der Ladungsgewichtskraft, da das Ladungsteil kippgefährdet ist (ansonsten 50%) --> 1.000 daN x 0,7 g = 700 daN
  • Sicherungskraft durch Reibung (µ = 0,2): 1.000 daN x 0,2 = 200 daN
  • Sicherungskraft bzw. -wirkung der Niederzurrungen:

 

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500 daN Vorspannung je Gurt (s. o.)

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Wird eine Niederzurrung unter einem Winkel angesetzt, reduziert sich die Sicherungskraft des Gurtes. Der Zurrwinkel wird in diesem Fall mit 45° angenommen, d. h. die Wirkung des Gurtes in Längsrichtung beträgt 71% (sin45°=0,71), in Querrichtung kann die Wirkung weiterhin mit 100% angenommen werden.

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Längsrichtung: 2 Gurte x Sicherungskraft (s. o.) x Reibung = 2 x (500 daN x 0,71) x 0,2 = 142 daN

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Querrichtung: 2 Gurte x Sicherungskraft (s. o.) x Reibung = 2 x 500 daN x 0,2 =200 daN

 

  • Fehlende Sicherungskraft in Längsrichtung:
    800 daN - 200 daN - 142 daN = 458 daN
  • Fehlende Sicherungskraft in Querrichtung: 
    700 daN - 200 daN - 200 daN = 300 daN
  • Die vorangegangene Berechnung ist sehr moderat durchgeführt. Es ist davon auszugehen, dass das Ladungsgewicht höher und die Reibung geringer ist.

 

 

Abbildung 5 Quelle: Achim Kock

 

 

  • Das Ladungsgewicht des Pulverisierers (Abbildung 5) beträgt sehr wahrscheinlich mehr als 2 Tonnen und ist in der gleichen Form gesichert wie der Hydraulikhammer. Das Ladungsteil scheint zwar nicht kippgefährdet, dennoch lässt sich analog zur vorherigen Berechnung schnell feststellen, dass die Sicherungsmaßnahmen bei weitem nicht ausreichen.

Abbildung 6 Quelle: Achim Kock

 

Verbesserungsmöglichkeiten:

 

  • Erhöhung der Reibung durch saubere Ladefläche und den Einsatz von rutschhemmenden Materialien (Antirutschmatten).
  • Sicherung der Ladung durch Formschluss (Direktsicherung), z. B. Umspannungen zu den Seiten, Umspannungen bzw. Kopfschlingen nach hinten und nach vorne oder Direktsicherung durch Holzabstützungen gegen Ladeflächenbegrenzungen bzw. Rungen. Hierfür ist allerdings die Verwendung eines geeigneten Fahrzeugs notwendig.

Mangelhafte Ladungssicherung kann leicht zu einer tödlichen Gefahr werden, wie die Beiträge der Monate November 2002, November 2003 und Oktober 2005 eindrucksvoll zeigen.

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