Dezember 2006

"Spundbohlen"

 

 

… werden dazu eingesetzt, um u.a. Baugruben abzudichten. Nicht 
gedacht sind sie, um damit Stirnwände "undicht" zu machen.
Aber genau dies wollen uns die folgenden Bilder zeigen.
Sie zeigen uns weiterhin, dass Stirnwände nicht unklappbar 
sind.

 

Abbildung 1 Wolfgang Jaspers
Abbildung 2 Wolfgang Jaspers

 

 

Das Sattelkraftfahrzeug hatte in einem Stahlwerk ca. 24.000 kg 
Spundbohlen geladen. 
Nach ca. 30 Kilometern fuhr der Fahrer dieses Fahrzeuges auf
ein Stauende zu. Nach eigenen Angaben sah er das Stauende 
rechtzeitig und bremste den Zug lediglich um etwa 20 - 30 km/h 
ab.
Dabei geriet die gesamte Ladung ins Rutschen, stieß gegen die 
Stirnwand und klappte diese nach vorn gegen das Führerhaus.
"Die Ladung ist so schwer, die bewegt sich nicht"!?
Es gab keine Gefahr- oder Vollbremsung, nein, einfach nur ein 
normales Abbremsen; und doch bewegte sich die Ladung.
Das Sattelkraftfahrzeug war kaum noch lenkbar. Die Fahrt ging
nur noch bis zum nächsten Parkplatz. Dort musste die Ladung auf 
ein anderes Fahrzeug umgeladen werden.
Der beschädigte Zug musste eingeschleppt werden.

Abbildung 3 Wolfgang Jaspers
Abbildung 4 Wolfgang Jaspers

 

 

Welche Fehler wurden hier bei der Beladung und bei der Sicherung
gemacht?
Als erstes wurden die Spundbohlen einen Meter von der Stirnwand
entfernt nach hinten geladen, aus Gewichtsgründen. Das ist erst mal nachzuvollziehen.
Rundum bestand nun aber kein Formschluss mehr.
Zur Seite waren jeweils zwei Buchtlashings angelegt.
Zusätzlich waren drei Niederzurrungen angebracht.
Nach vorn wurde ein Kopflashing angelegt (ohne Kantenschoner).
 
Rechnung:
Gleitreibbeiwert aus VDI 2700: Stahl/Holz 0,2 µ
 
Das bedeutet, dass im ungünstigsten Fall  durch die Reibung 20% 
des Ladungsgewichtes gesichert sind (= 4.800 daN).
Durch die angelegten Buchtlashings sind je 4.000 daN (2 x 2.000 daN/
Belastbarkeit der Zurrpunkte) zur Seite gesichert (= 8.000 daN).
Durch die drei Niederzurrungen sind insgesamt lediglich 113 daN!!! 
gesichert.
Das Kopflashing nach vorn sichert 4.000 daN.
 
Erforderlich sind folgende Sicherungskräfte:
Nach vorn 80% (19.200 daN) des Ladungsgewichtes, zur Seite und 
nach hinten je 50% (12.000 daN) des Ladungsgewichtes.
 
Insgesamt ist durch diese Sicherungskräfte zur Seite eine ausreichende 
Sicherung vorhanden.
Nach vorn wirken nur wenig mehr als 8.900 daN.
Das bedeutet, dass in Fahrtrichtung noch über 10.000 daN an 
Sicherungskräften fehlten.
Nach hinten wirkt lediglich die Reibung und die Niederzurrung, also
etwa 4900 daN.
Nach hinten fehlen demnach noch Sicherungskräfte von knapp 7.000 daN.
 
Das Verrutschen der Ladung war also keine Überraschung, sondern 
nur eine Frage der Zeit.

 

Abbildung 5 Wolfgang Jaspers
Abbildung 6 Wolfgang Jaspers
Abbildung 7 Wolfgang Jaspers

 

Wie kann man diese Ladung nach vorn und nach hinten ausreichend 
sichern?
 
Wäre der Freiraum zur Stirnwand z.B. mit Paletten ausgefüllt
worden, hätte man die Stirnwand (hier: Standard) mit maximal 
5 000 daN dazurechnen können. Dann fehlten aber immer noch über 
5000 daN an Sicherungskräften.
Diese könnten durch zwei weitere Kopflashings erreicht werden.
Dabei muss aber beachtet werden, dass jedes Kopflashing eigene 
Zurrpunkte erhält!!
 
Da nach hinten ein zu großer Freiraum vorhanden ist, kann hier nicht
mit Formschluss gerechnet werden.
Auch sind einfacherweise zwei Kopflashings einzusetzen und alles ist 
ordentlich gesichert.
 
Man muss aber unbedingt darauf achten, dass die Kopflashings nicht 
einfach an die Spundbohlen angelegt werden; die Gefahr des 
Zerschneidens ist an den scharfen Kanten zu groß. Auch hier könnte man 
eine Palette direkt an die Spundbohlen stellen. Zum einen sind dann 
alle Spundbohlen erfasst und zum anderen ist der Gurt geschützt.
 
Beim Benutzen der Zurrpunkte unbedingt beachten, dass jeder Zurrpunkt 
je Wirkrichtung nur einmal belegt wird!

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