November 2002

Ladungssicherungsunfall mit einem 18,7 t schweren Maschinenteil

Abbildung 1

 

Das Sattelkraftfahrzeug musste eine Gefahrenbremsung sowie ein Lenkmanöver nach links durchführen. Dabei rutschte die Ladung, ein 18,7 Tonnen schweres Maschinenteil einer Presse, auf der Ladefläche nach rechts, durchbrach die Laderaumbegrenzung (Bordwand), fiel auf die Straße und kam hinter einem Pkw zum Stillstand. Die Fahrerin des Pkw erkannte das drohende Unheil und hatte sich kurz zuvor aus der Gefahrenzone entfernt, indem sie ein Stück vorwärts fuhr (s. Abb. 2).

Nach Angaben des Fahrers war das Maschinenteil mit 8 Hartgummiplatten in der Größe von 20 x 20 cm unterlegt. Der Fahrzeugboden besteht aus Siebdruckplatten. Da es sich bei den Gummiplatten um keine geprüften Antirutschmatten handelt, ist für die Materialpaarung Stahl-Hartgummi ein Reibbeiwert von 0,4 anzunehmen. Die Ladung war mit 4 Gurten (LC = 2500 daN) durch Niederzurrungen und ohne jeglichen Formschluss "gesichert".

Die Berechnung der notwendigen Sicherungsmittel bei der angewandten Sicherungsart ergibt 38 Gurte:

Erforderliche Gesamtsicherungskraft nach Vorne: 18,7 t x 0,8 g* = 14960 daN

Sicherungskraft durch Reibung: 18,7 t x 0,4 g =  7480 daN

Fehlende Sicherungskraft: 7480 daN

Sicherungskraft einer Niederzurrung: Vorspannung im geraden Zug = 250 daN (0,1 x LC), Vorspannung in der Umreifung** = 2 x 250 daN = 500 daN ***

Die Tatsache, dass die Gurte nicht im Winkel von 90° vom Zurrpunkt bis zur Ladungskante geführt werden konnten, wurde bei dieser exemplarischen Betrachtung außer Acht gelassen.

Sicherungswirkung einer Niederzurrung: Sicherungskraft x Reibbeiwert = 500 daN x 0,4 = 200 daN

Anzahl der notwendigen Zurrgurte für die Niederzurrung: Fehlende Sicherungskraft dividiert durch Sicherungswirkung je Gurt = 7480 daN / 200 daN = 37,4 --> 38 Zurrgurte

*

[g = 9,81m/s2 --> 10,0 m/s2]

**

Umreifung = Niederzurrung als Überwurfzurrung

***

Die einfache Verdopplung der Vorspannung ist der rechnerische Idealfall. In der Realität wird die Vorspannung von der Seite auf der das Spannelement wirkt aufgrund der Reibung, die zwischen Gurt und Ladung entsteht, nur teilweise auf die gegenüberliegende Seite übertragen. Sogenannte Gleitecken können diese Reibung reduzieren.

Dieser Sicherungsaufwand hätte sich durch den Einsatz einer anderen Sicherungsmethode deutlich reduzieren lassen. Durch je zwei Umspannungen zu jeder Seite, zwei Umspannungen um die Stirnseite und eine Umspannung um die Rückseite wäre dieses Maschinenteil absolut ausreichend zu sichern. Die Gurte sind ggf. durch geeignete Maßnahmen vor scharfen Kanten der Ladung zu schützen.

Weitere Abbildungen:

 

Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5
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