Februar 2007

"Eine Baggerschaufel auf Kuschelpartie"

 

Dem Titel ist schon zu entnehmen, dass sich der Ladungssicherungskolumnist mit der Ernsthaftigkeit bei dieser Art der Beladung durchaus schwer tut. Stellt sich doch augenscheinlich die Frage, ob derjenige, der diesen Transport bzw. die Beladung zu verantworten hat, nicht das geringste Gefühl und/oder Verständnis für physikalische Zusammenhänge hat.

 

Diesen schweren Baggerlöffel auf die eher "zarten" Absperrgitter zu legen, zeugt von erheblicher Ignoranz. Nach dem Transport sind sicher einige der Absperrgitter nicht mehr zu verwenden. Schade!!

 

 

Abbildung 1 Quelle: Gerhard Howanietz

Der Ladungssicherungsversuch ist allerdings sehenswert und wäre, wenn derjenige diesen Transport nicht ernst gemeint hätte, ein sehr belustigendes Negativbeispiel für jede Ladungssicherungsschulung. Betrachtet man diesen Sicherungsversuch als Mitmensch, der sich der Verbesserung der Ladungssicherungssituation auf unseren Straßen im KLSK verschrieben hat, fällt es schwer die Kontenance zu bewahren!!

 

Jetzt sachlich und der Reihe nach:

 

  • Es wurde eine Niederzurrung auf flexiblem Untergrund versucht. Das bedeutet, dass noch nicht einmal ansatzweise die Chance bestand, die recht geringe Sicherungswirkung der Niederzurrung (in diesem Anwendungsbeispiel) überhaupt zu erreichen, da der flexible Untergrund immer dann nachgegeben hat, wenn ein wenig Vorspannung aufgebaut wurde. Spätestens nach ein paar Metern Fahrt hat der Klügere (Absperrgitter) nachgegeben.

 

 

Abbildung 2 Quelle: Gerhard Howanietz

 

  • Die Gurte wurden über die sehr flexiblen Ladebordwände gespannt, die 1.) eine richtige Vorspannung unmöglich machen und 2.) einen ca. 45° Winkel für die Niederzurrung generierten, der die (nicht vorhandene) Niederzurrwirkung um ca. 30 Prozent reduziert.
  • Die Reibung ist ebenfalls bemerkenswert! Eine Niederzurrung lebt nun mal von der Reibung. Je höher die Reibung, desto höher die Sicherungswirkung der Zurrung. Nun fragt sich der geneigte Fachmann was so ein durchgebogenes Drahtgitterchen an Reibung hat und schätzt vom Schreibtisch aus so 5-10 Prozent (µ=0,1 oder 0,05). Das ist nicht gerade viel. Das trotzdem die Niederzurrung zur Sicherung herangezogen wurde, zeugt, gelinde gesagt, von erheblicher Gedankenlosigkeit. Das die Baggerschaufel vorne teilweise auf den Betonfüßen für die Absperrgitter liegt, verbessert die Ladungssicherungssituation auch nicht. Warum diese Betonfüße nicht unter den Gittern liegen, wo sie zumindest besser aufgehoben wären, ist eine von vielen unbeantworteten Fragen.

 

 

Abbildung 3 Quelle: Gerhard Howanietz

 

  • Zu guter letzt lohnt noch die Beurteilung des Formschlusses, der bei einer derartigen Masse sicher angebracht wäre. Fehlanzeige! Nicht nur, dass die Baggerschaufel nicht formschlüssig geladen war, nein die Absperrgitter hatten zu allem Überfluss auch keinen Formschluss.

 

 

 

 

Bleibt die Frage, wie so eine Schaufel gut zu Sichern ist. Auf diesem Fahrzeug mit dieser Art Vorladung gar nicht!!

 

Solch eine schwere Ladung sollte möglichst auf der Ladefläche des Fahrzeugs geladen werden. Wenn es unter Berücksichtigung der Lastverteilung möglich ist, ist ein formschlüssiges Verladen an die Stirnwand günstig. Mit der Verwendung von RH-Matten wird ein guter Reibbeiwert erreicht. Ein Niederzurrung als Mindestsicherung dämpft die Vibrationen und Schwingungen und eine Umspannung nach hinten hält die Schaufel sicher. Nun gibt es Mitmenschen, die der Meinung sind, dass die Reibung mit µ = 0,5 oder 0,6 doch ausreichen muss. Ja zur Erfüllung der Norm ist das richtig, aber wir sprechen doch von Ladungs-SICHERHEIT und da ist es gut, wenn man ein bisschen Sicherheit in petto hat. Nur sicher ist sicher. Geht das mit der Formschlüssigkeit nach vorne nicht, dann sind RH-Matten und Umspannungen die richtige Wahl, so ein kleines Ladungssicherungsproblem in den Griff zu bekommen.

 

Der vorliegende Fall hat gute Chancen die Ladungssicherungszitrone 2007 zu gewinnen!!

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