Nicht ausreichend festge“presst“...

© Bild 1 Steiner, Autobahnpolizei Dortmund

Ein LKW-Fahrer wollte mit seinem Sattelkraftfahrzeug auf die Autobahn auffahren. Beladen war sein Curtainsider-Auflieger mit zwei Pressen, jede etwa 9,5 Tonnen schwer. Diese waren jeweils auf einem palettenartigen Holzgestell verladen und mit zwei Gurten niedergezurrt.

In der Auffahrt zur Autobahn rissen bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von ca. 60 km/h die Gurte unter der Belastung. Eine Presse verrutschte auf der Ladefläche, die zweite fiel sogar vom Auflieger und beschädigte die Fahrbahn.

© Bild 2 Steiner, Autobahnpolizei Dortmund

Die Sicherungsmethode Niederzurren funktioniert nach dem Prinzip, dass der Zurrgurt über das Ladegut gelegt wird, um das Gurtband dann mit Hilfe des Spannelementes (Ratsche) unter Spannung zu setzen. Diese Spannung erhöht den Druck, sodass das Ladegut bei ausreichender Spannung auf der Ladefläche gehalten wird. Bei der hier vorliegenden Ladung wollte man also die Presse „pressen“, nämlich auf die Ladefläche.

© Bild 3 Steiner, Autobahnpolizei Dortmund

Leider lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, wie die Presse auf der Holzkonstruktion befestigt war. Nehmen wir einen Reibwert von µ = 0,3 an, benötigt man zur Sicherung in Fahrtrichtung ohne Berücksichtigung von spannungsvermindernden Zurrwinkeln 32 Gurte, um diese 9 ½ Tonnen zu sichern. Beschränkt man die Berechnung auf die Erforderlichkeiten zur seitlichen Sicherung, verbleiben unter gleichen Bedingungen immer noch 13 notwendige Zurrgurte zum Niederzurren.

Ganz klar: zwei Gurte können nicht schaffen, was dreizehn eigentlich halten.

© Bild 4 Steiner, Autobahnpolizei Dortmund

Man muss also feststellen, dass das Verfahren Niederzurren hier falsch angewendet wurde.

Vermutlich hat sich derjenige, der „gesichert“ hat, von den Angaben auf dem Zurrgurtetikett täuschen lassen. Wenn man z.B. einen 2500-daN-Gurt nimmt, der auf dem Etikett noch die Abbildung für das Umreifen zeigt und dort auch die Zahl 5000 daN angegeben ist, kommt man als Nicht-ganz-Experte schnell zu dem Schluss: „9500 kg muss ich sichern, 2 mal 5000 ist gleich 10000, also habe ich mehr getan, als erforderlich ist. Da kann nichts passieren.“

Wieder einmal ein Trugschluss.

© Bild 5 Steiner, Autobahnpolizei Dortmund

Hätte man die Gurte nun auch entsprechend der Abbildung auf dem Etikett in einer Umschlingung angebracht, hätte sie auch ihre 5000 daN halten können. Dazu muss jedoch das Ladegut geeignet sein. Eine Direktzurrung wäre hier wohl die bessere Möglichkeit gewesen, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Presse entsprechende Kräfte aufnehmen kann. Da das im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden kann, soll hier auch nicht weiter darauf eingegangen werden.

 

Eines muss aber noch gesagt werden:

 

Ladegüter sind zwar so gebaut, dass sie ihre eigentliche Aufgabe gut wahrnehmen können, der Transport zum Einsatzort wird jedoch oftmals vergessen. Hier müssen sich die Hersteller mehr Gedanken machen. Meistens ist es mit recht einfachen Mitteln möglich, ein Ladegut auch transportfähig zu machen.

© KLSK e.V.