Mai 2010

Purzelnder Bagger

 

Schwere Baumaschinen müssen immer wieder von A nach B transportiert werden, um auf unterschiedlichen Baustellen ihren Dienst versehen zu können. So auch dieser Bagger, der auf einem Tiefladeranhänger auf der Autobahn transportiert wurde - leider derartig unzureichend gesichert, dass er während der Fahrt von der Ladefläche auf die Straße fiel. Es war reines Glück, dass dabei "nur" ein km-langer Stau entstand und keine weiteren Fahrzeuge oder Menschen zu Schaden kamen.

 

 

 

 

Abbildung 1 [POLICE DE LA ROUTE LIEGE (B) - Raymond Lausberg]

 

 

 

 

Abbildung 2 [POLICE DE LA ROUTE LIEGE (B) - Raymond Lausberg]

 

Was war passiert? Über den Unfallhergang und die Ladungssicherung sind nur wenige Details bekannt, da die Beamten erst vor Ort waren, als das Kind bereits in den Brunnen bzw. der Bagger auf die Straße gefallen war.

Der ca. 21 t schwere Bagger wurde auf einem vierachsigen Tiefladeranhänger transportiert, der wiederum von einem vierachsigen Lkw gezogen wurde (Abbildung 3).

 

 

 

Abbildung 3 [POLICE DE LA ROUTE LIEGE (B) - Raymond Lausberg]

Die Fahrgeschwindigkeit betrug ca. 60 km/h. Aufgrund eines technischen Defektes an einer Achse hat der Anhänger während der Fahrt zwei seitliche Schlenker gemacht. Der überraschte Fahrer leitete abrupt ein Bremsmanöver ein, woraufhin sich der Bagger von der Ladefläche verabschiedete.

Der Bagger war mit nur einer Zurrkette im Niederzurrverfahren "gesichert", diese Kette ist in der Abbildung 4 neben dem Anhänger zu sehen. Inwieweit der Bagger zusätzlich mit Drahtseilen gesichert war, wie sie in den Abbildungen 1 und 2 zu sehen sind, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Des Weiteren war die Ladefläche durch Kies und Erdreste stark verschmutzt, was die Reibung zwischen Baggerketten und Ladefläche negativ beeinflusst hat (Abbildung 5).

 

 

Abbildung 4 [POLICE DE LA ROUTE LIEGE (B) - Raymond Lausberg]

 

 

 

Abbildung 5 [POLICE DE LA ROUTE LIEGE (B) - Raymond Lausberg]

Wie kann eine derartige Ladung angemessen gesichert werden?

Zunächst einmal sollte die Ladefläche möglichst sauber und besenrein sein. Zudem sollten genügend geeignete Zurrpunkte vorhanden sein.

Derartig schwere Baumaschinen werden am besten über Direktzurrungen/ Diagonalzurrungen gesichert.

Wenn die Ladung, in unserem Fall der Bagger, nur über geeignete Zurrpunkte vorn und hinten jeweils in der Baggermitte verfügt, kann eine sinnvolle Diagonalzurrung wie folgt aussehen:

 

 

 

 

 

Abbildung 4 Kapitän Wilfried Strauch]

Nach vorn in Fahrtrichtung können horizontale Kräfte von 0,8 g (80% der Gewichtskraft der Ladung) auftreten, nach hinten und zu den Seiten sind es lediglich 0,5 g (50% der Gewichtskraft der Ladung). Deshalb sollte die Ladung nach vorne formschlüssig gesichert, d. h. direkt oder mittels einer Pallung gegen die Stirnwand o. ä. geladen werden. Ist dies nicht möglich, z. B. weil keine Stirnwand vorhanden ist, müssen diese höheren horizontale Kräfte in Fahrtrichtung bei der Dimensionierung der Zurrungen berücksichtigt werden.

Wie man ein Direktsicherung einfach und schnell berechnen kann, ist in einem Beitrag auf der Seite des GDV, dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. zu entnehmen. Hier wird auch die einfache Methode des Kapitäns, Herrn Wilfried Strauch, das "Backrezept" ausführlich erklärt.

 

 

Diagonalzurren leicht gemacht - mit der Methode " Backrezept "

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